Psoriasis: Ciclosporin-Alternative besteht klinischen Test
Freitag, 18. April 2008
Waterloo – Ein neuer Calcineurin-Inhibitor zur Behandlung der Psoriasis hat sich in einer randomisierten kontrollierten Studie im Lancet (2008; 371: 1337-1342) als effektiv und gut verträglich erwiesen. Ein Editorialist sieht jedoch noch offene Fragen zur langfristigen Sicherheit von ISA247.
Vor zwei Jahrzehnten wurde eher zufällig entdeckt, dass das Immunsuppressivum Ciclosporin die Läsionen der Psoriasis unterdrücken kann. Nach dem Absetzen des Medikaments kam es aber früher oder später zu Rezidiven. Die Nephrotoxizität von Ciclosporin hat aber einen breiten Einsatz des Medikamentes verhindert. Denn die Schuppenflechte ist – auch wenn sich manche Patienten wie Leprakranke fühlen (Updike J. From the journal of a leper, USA 1976) – keine lebensgefährliche Erkrankung, was den Einsatz von Medikamenten verbietet, die zu dauerhaften Organschäden führen.
Seit Jahren wird deshalb nach sicheren Alternativen zu Ciclosporin gesucht und ISA247, das wie Ciclosporin zu den Calcineurin-Inhibitor gehört, gilt als vielversprechender Wirkstoff. Jetzt liegen die Ergebnisse einer Phase-III-Studie vor, die vermutlich zur Zulassung des Medikamentes bei der Psoriasis führen wird.
An der Dosisfindungsstudie beteiligten sich an 32 kanadischen Zentren 451 Patienten mit Plaque-Psoriasis im Alter von 18 bis 65 Jahren mit einem Befall von mindestens zehn Prozent der Körperoberfläche. Wie Kim Papp und Mitarbeiter von Probity Medical Research im kanadischen Waterloo zeigen können, hat ISA247 eine klar dosisabhängige Wirkung.
Unter der höchsten Dosierung von 0,4 mg/kg erzielten 47 Prozent der Patienten nach 12 Wochen den primären Endpunkt, eine Reduktion des PASI (Psoriasis Area and Severity Index) um wenigstens 75 Prozent. In den beiden anderen Dosierungen war die Wirkung deutlich schwächer (25 Prozent in der 0,3 mg/kg-Gruppe und 16 Prozent in der 0,2 mg/kg-Gruppe), aber immer noch signifikant besser als im Placebo-Arm.
Die Wirksamkeit der Studie wurde nach zwölf Wochen beurteilt. Danach nahmen die Patienten den Wirkstoff noch weitere zwölf Wochen ein. Die Autoren bewerten die Verträglichkeit als gut, obwohl in der höchsten Dosierung 13 Prozent der Patienten die Studie vorzeitig abbrachen. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Kopfschmerzen (22 Prozent unter der höchsten Dosierung), Nasopharyngitis (22 Prozent) und obere Atemwegsinfekte (zehn Prozent).
Die Therapie führte außerdem zum Anstieg des Blutdrucks (diastolischer Blutdruck drei Prozent, systolischer Blutdruck weniger als ein Prozent). Am wichtigsten für den langfristigen Stellenwert des Medikamentes dürften jedoch die Auswirkungen auf die Nierenfunktion sein. Ein Rückgang der glomerulären Filtrationsrate wird in der höchsten Dosierung bei sechs Prozent der Patienten angegeben, es war nach Auskunft der Autoren der häufigste Grund für einen Abbruch der Behandlung.
Die Nierenfunktionsstörungen sollen in der Regel reversibel sein, was aber nach maximal einem halben Jahr sicher noch nicht abschließend beurteilt werden kann, wie Luigi Naldi vom Ospedali Riuniti im italienischen Bergamo im Editorial (Lancet 2008; 371: 1311-1312) anmerkt. Der Experte kritisiert auch, dass die Studie placebokontrolliert durchgeführt wurde, was angesichts der Vielzahl von wirksamen Antipsoriatika ethisch bedenklich ist. Es bleibt auch unklar, wie das Medikament im Vergleich zu den anderen Antipsoriatika einzuordnen ist. © rme/aerzteblatt.de
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