Medizin

Wie Rauchen das Immunsystem drosselt

Montag, 21. April 2008

Louisville – Nikotin beeinträchtigt neutrophile Granulozyten in ihrer Funktion, Bakterien aufzuspüren und zu zerstören. Das fanden Wissenschaftler der University of Louisville, School of Dentistry, Kentucky, in Kooperation mit internationalen Forschern heraus. Die Arbeitsgruppe publizierte seine Ergebnisse im Journal „BioMed Central – Cell Biology“ (doi:10.1186/1471-2121-9-19).

Das Knochenmark produziert ständig neutrophile Granulozyten. Nach ihrer endgültigen Differenzierung verlassen die Zellen ihren Bildungsort. Im Blutkreislauf haben sie eine Lebensdauer von wenigen Stunden. Bisher war bekannt, dass Nikotin auf Neutrophile wirkt und chronische Raucher für bakterielle und entzündliche Erkrankungen anfälliger macht. Doch gab es nach Angaben der Forscher noch keine Studien, welche die Mechanismen der Nikotineinwirkung während der Differenzierung genau beschreiben. Diese wollte die Arbeitsgruppe um David Scott daher genauer untersuchen.

Die Forscher stellten den Differenzierungsprozess in einem Modell nach. Ausgangspunkt waren promyelozytische HL-60-Zellen, die sich unter der Gabe von Dimethylsulfoxid (DMSO) zu Neutrophilen differenzierten. Die Wissenschaftler untersuchten diesen Vorgang zusätzlich unter der Gabe von Nikotin und DMSO. Sie konnten hierbei feststellen, dass die Anwesenheit von Nikotin den Anteil von weit differenzierten Zellen (Metamyolozyten, stabkernigen Neutrophilen und segmentkernigen Neutrophilen) erhöhte. Ansonsten schien Nikotin keine weiteren Differenzierungsmarker zu beeinflussen.

Jedoch waren nikotinbehandelte Neutrophile schlechter in der Lage, Bakterien aufzuspüren und zu zerstören. Hierfür war die Unterdrückung des sogenannten oxidative burst verantwortlich. Das bezeichnet die Freisetzung lytischer Radikale durch Granulozyten und Makrophagen zum Zweck der Vernichtung eingedrungener Bakterien.

„Man muss jedoch einräumen, dass unser Modell mit DMSO-differenzierten HL-60-Zellen dem normalen menschlichen Neutrophilen nicht vollkommen gleicht“, schränkte Scott ein. Die Forscher der University of Louisville hoffen dennoch, dass ihre Beobachtungen einen Beitrag zur Entwicklung neuer therapeutischer Strategien gegen entzündliche Erkrankungen liefern. © hil/aerzteblatt.de 

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