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Mammografie: Effektiv bis 75 Jahre, sicher im Drei-Jahres-Intervall

Montag, 21. April 2008

dpa

Rotterdam/Nottingham – Die Ausweitung der Mammografie auf Frauen bis zum 75. Lebensjahr hat in den Niederlanden zu einem Rückgang der Brustkrebssterblichkeit älterer Frauen geführt.

Dies geht aus einer Analyse des Krebsregisters hervor, die auf der European Breast Cancer Conference in Berlin vorgestellt wurde. Britische Experten verteidigten in einer anderen Studie das dortige Screeningintervall von drei Jahren.

Während die Mammografie in Deutschland allen Frauen bis zum Alter von 69 Jahren empfohlen wird, gilt in den Niederlanden seit 1998 eine Altersgrenze von 75 Jahren. Bereits fünf Jahre später war ein Rückgang der tödlichen Brustkrebserkrankungen in der Altersgruppe der 75- bis 79-Jährigen erkennbar, der sich bis 2006 noch weiter fortgesetzt hat.

Wie Jacques Fracheboud vom Erasmus Medical Center in Rotterdam mitteilte, beträgt die Brustkrebsmortalität in der Altersgruppe der 75- bis 79-Jährigen heute (2006) 117 pro 100.000 Frauen. Das sind fast 30 Prozent weniger als in den Jahren 1986 bis 1997, in denen auf 100.000 Frauen dieser Altersgruppe 166 Todesfälle an Brustkrebs kamen. 

Von den 7,37 Millionen Mammografien der Jahre 1998 bis 2006 entfielen laut Fracheboud 862.655 auf Frauen im Alter zwischen 70 und 75 Jahren. Während 81 Prozent der 50- bis 69-Jährigen am Screening teilnehmen, waren es bei den über 70-Jährigen nur 72 Prozent. Doch die Akzeptanz steige langsam an, versicherte Fracheboud: Die Teilnehmerrate sei von 62,5 Prozent im Jahr 1998 auf 77,6 Prozent 2006 gestiegen.

Der Rückgang der Röntgendichte der Brust im Alter verbessert laut Fracheboud die Zuverlässigkeit der Mammografie. Der positive prädiktive Wert liege bei 70- bis 75-Jährigen bei 47 Prozent, gegenüber 36 Prozent bei den jüngeren Frauen.

Vertreter des britischen Mammografieprogramms haben in Berlin das dortige Drei-Jahres-Intervall verteidigt (in Deutschland alle zwei Jahre). Der UK Breast Screening Frequency Trial, der seit 1989 insgesamt 100.000 Frauen auf ein Screeningintervall von einem oder drei Jahre randomisierte, habe bisher keine Hinweise auf eine erhöhte Brustkrebssterblichkeit gezeigt, berichtete Roger Blamey vom Nottingham City Hospital.

Im Studienarm mit jährlichem Screening seien bisher 373 Frauen an Brustkrebs gestorben, im Studienarm mit einem Screening-Intervall von drei Jahren waren es 374 Frauen. Auch wenn die Auswertung auf Frauen beschränkt wird, die tatsächlich am Screening teilnahmen, gab es laut Blamey keine gravierenden Unterschiede: 209 Brustkrebstodesfälle bei jährlichem Screening, 231 in der Kontrollgruppe bei Drei-Jahres-Intervall. Blamey bezeichnet das Drei-Jahres-Intervall als wichtigen Faktor zur Kosteneinsparung beim Mammografiescreening, das in Großbritannien pro Jahr 100 Millionen Euro koste. © rme/aerzteblatt.de

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