Medizin

Fragliche Geschlechterselektion durch Ernährung

Mittwoch, 23. April 2008

Exeter – Manche richten sich nach dem Mondzyklus, andere setzen vor der Konzeption auf scharf gewürzte Speisen. Einige sind überzeugt, dass der reichliche Genuss von Kaffee die Beweglichkeit der männlichen Spermien fördert. In Zukunft dürften einige Frauen, die sich nichts sehnlicher als einen männlichen Stammhalter wünschen, wohl auf ein kalorienreiches Frühstück setzen. Denn nach einer Studie in den Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences (2008; doi: 10.1098/rspb.2008.0105) steigt mit der Aufnahme der Kalorien die Chance, dass das Wunschkind ein Junge wird. 

Der Verzicht auf das morgendliche Frühstück ist nach Ansicht von Fiona Mathews von der Universität Exeter Schuld daran, dass in den Industrieländern immer weniger  Jungen geboren werden. Der Anteil der Erwachsenen, die morgens zuhause frühstücken, sei von 86 Prozent (1965) auf 75 Prozent (1991) gesunken, hat die Forscherin recherchiert. Gleichzeitig nahm die Zahl der männlichen Geburten ab.

Das mag im Straßenbild noch nicht auffallen, doch nach den von Mathews genannten Zahlen fehlt auf 1.000 Neugeboren ein Junge. Ein erklärungsbedürftiges Phänomen, meint Mathews, die die Ursache in den veränderten Ernährungsgewohnheiten von Frauen zum Zeitpunkt der Konzeption vermutet.

Sie erkundigte sich deshalb in einer Studie nach den Essgewohnheiten von 740 Erstgebärenden während der Zeit der Konzeption. Heraus kam eine Assoziation mit der Kalorienzufuhr. Frauen im obersten Drittel der Energiezufuhr gebaren zu 56 Prozent einen Jungen, im unteren Drittel waren es nur 45 Prozent. Und Frauen, die morgens Frühstückszerealien verzehren, sollen sogar zu 59 Prozent Jungen gebären.

Dass die Unterschiede nicht signifikant sind (Tabelle 1 im Anhang der Studie), wird verschwiegen und dass eine höhere Zufuhr von Kalium, Kalzium und Vitaminen (C, E und B12) einen Einfluss auf das spätere Geschlecht hat, wie die Pressemitteilung behauptet, lässt sich dort gar nicht verifizieren. 

Für den Zusammenhang zwischen Ernährung und Geschlecht gibt der Autorin zufolge sogar eine evolutionsbiologische Erklärung. Jungen könnten aus biologischen Gründen mehr Enkelkinder zeugen als Mädchen empfangen können. Deshalb sei es richtig, in Notzeiten lieber Mädchen zu zeugen, heißt es in der Pressemitteilung.

Das klingt reichlich hanebüchen, kann sich aber einer Resonanz in den Medien sicher sein. Die Tatsache, dass Assoziation in retrospektiven Studien nicht unbedingt stichhaltige Beweise liefern, kann dabei schnell übersehen werden. Man darf voraussagen, dass auch dieser Versuch einer Geschlechtsselektion scheitern wird. © rme/aerzteblatt.de

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