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Armut als Schlaganfallrisiko

Freitag, 25. April 2008

Rotterdam – Wohlstand schützt vor Schlaganfällen im jüngeren Lebensalter. In einer Kohortenstudie in Stroke (2008; doi:10.1161/STROKEAHA.107.490383) war die Assoziation unabhängig von Bildung und aktuellem Einkommen. Im Alter lässt die „protektive“ Wirkung des Wohlstands nach.

Geld allein macht nicht glücklich, lautet ein Sprichwort, aber es beruhigt die Nerven ungemein –  ein  häufig genannter Zusatz. Hierin mag mehr als ein Körnchen Wahrheit liegen, falls die Ergebnisse der US-amerikanischen Health and Retirement Study die Wirklichkeit widerspiegeln, was bei Beobachtungsstudien nicht immer der Fall ist.

Doch wenn die Daten von Mauricio Avendano von der Erasmus Universität in Rotterdam zutreffen, dann erkranken Menschen im unteren Zehntel der Vermögensverteilung fast doppelt so häufig an einem Schlaganfall wie Vermögende aus der 75. bis 90. Perzentile. In den Rohdaten ermittelte Avendano sogar eine Hazard Ratio von 2,3 auf einen Schlaganfall unter den Menschen mit dem geringsten Wohlstand.

Bei aktuellen Einkommensengpässen käme unter Umständen noch eine um 80 Prozent erhöhte Schlaganfallrate hinzu. Selbst nach Berücksichtigung anderer Risikofaktoren bleibt ein um 70 Prozent gesteigertes Schlaganfallrisiko bei fehlendem Reichtum und ein 60 Prozent gesteigertes Risiko bei geringem Einkommen. Mögliche Gründe sind die bei Menschen ohne Einkommen höhere Rate von arterieller Hypertonie, Rauchen, Bewegungsmangel, Übergewicht, Diabetes und Herzerkrankungen. 

Dies erklärt aber nicht, warum das erhöhte Risiko nur bei Menschen im (späten) berufstätigen Alter (50 bis 64 Jahre) gefunden wurde. Für Senioren konnte Avendano keine „protektive“ Wirkung von Geld und Besitz feststellen, obwohl viele Menschen doch erst im Ruhestand ihr Vermögen genießen können. Davon ist auch Avendano weiter überzeugt.

Er hält die fehlende protektive Wirkung im Alter für einen Artefakt: Die erhöhte Schlaganfallsterblichkeit bei jüngeren Menschen führe dazu, dass in den ärmeren Bevölkerungsschichten bevorzugt körperliche Gesunde bis ins Alter überleben. Bei den Wohlhabenden hätten auch Menschen mit anderen Risikofaktoren eher die Chance, einem Schlaganfall zu entgehen. © rme/aerzteblatt.de

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