Politik

Exzessives Trinken bei Kindern und Jugendlichen stark zugenommen

Montag, 5. Mai 2008

Berlin – Das exzessive Trinken bei Kindern und Jugendlichen hat stark zugenommen. Während die 12- bis 17-Jährigen 2005 noch 34 Gramm reinen Alkohol pro Woche zu sich nahmen, waren es im vergangenen Jahr schon 50 Gramm. Dagegen rauchen die Jugendlichen immer weniger. Die Zahl der Drogentoten in Deutschland ist erstmals seit acht Jahren wieder angestiegen. Das geht aus dem am Montag in Berlin vorgestellten Drogen- und Suchtbericht 2008 der Bundesregierung hervor.

Danach ist auch das sogenannte Binge Drinking bei Jugendlichen stark gestiegen, also der Konsum von fünf oder mehr alkoholhaltigen Getränken hintereinander. Während 2005 den Befragungen zufolge noch 20 Prozent der Jugendlichen ein Mal im Monat „gebingt“ hatten, seien es 2007 schon 26 Prozent gewesen. Auch die Zahl der Krankenhauseinweisungen von 10- bis 20-Jährigen wegen Alkoholvergiftungen habe sich von 2000 bis 2006 mehr als verdoppelt.

„Nicht zu unterschätzen ist hier der Einfluss der Alkoholwerbung, die teilweise ganz offensiv jugendliche Lebenswelten und Images anspricht“, kritisierte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing. Die negativen Folgen des übermäßigen Alkoholkonsums kämen darin nicht vor. Die SPD-Politikerin sagte, sie setze sich daher für eine bessere Selbstkontrolle durch die Alkoholwirtschaft ein. 

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Ärztekammerpräsident Jörg-Dietrich Hoppe unterstützt die Ankündigung der Bundesdrogenbeauftragten, bis Jahresende ein nationales Aktionsprogramm zur Alkoholprävention vorzulegen. Damit werde "hoffentlich endlich eine nachhaltige politische Diskussion über einen besseren Schutz Minderjähriger vor Alkoholmissbrauch in Gang gesetzt", sagte Hoppe dem Berliner "Tagesspiegel" vom Dienstag. Verbote allein reichten nicht. Diskotheken-, Kiosk- und Gaststättenbesitzer müssten "viel stärker an ihre Verantwortung für den Jugendschutz erinnert" und notfalls mit empfindlichen Geldstrafen belegt werden.

Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) warf der Bundesregierung mit Blick auf die Alkoholwerbung "Halbheiten" vor. Bekanntlich wirke Werbung vor allem bei jungen Menschen, insofern halte er ein Verbot von Alkoholwerbung für angemessen, sagte DHS-Geschäftsführer Rolf Hüllinghorst. Zudem forderte er ein stärkeres Engagement etwa von Ärzten. Diese dürften "keinen aus der Praxis lassen, ohne nach Tabak- und Alkoholkonsum zu fragen".

Dem Drogen- und Suchtbericht zufolge rauchen in Deutschland etwa 16 Millionen Menschen und damit „immer noch über ein Drittel der erwachsenen Bevölkerung“. „Erfreulich“ sei allerdings, dass immer weniger junge Leute zur Zigarette griffen, sagte Bätzing. Gegenüber 2001 habe sich der Anteil der jugendlichen Raucher um zehn Prozentpunkte auf 18 Prozent im Jahr 2007 verringert, die Zielmarke für 2008 seien weniger als 17 Prozent.

Die Zahl der Drogentoten ist nach Angaben der Drogenbeauftragten erstmals seit Jahren wieder gestiegen. 1.394 Menschen starben 2007 an den Folgen des Konsums illegaler Suchtmittel, 98 mehr als 2006.  Bätzing sprach von einer „überraschenden Wende“, eine klare Ursache für die Entwicklung könne derzeit noch nicht genannt werden.

Möglicherweise sei das zunehmende Alter der Rauschgiftabhängigen für die Zunahme verantwortlich. 2006 waren in Deutschland so wenig Drogentote gezählt worden wie seit 1989 nicht mehr. Seit 2001 war die Zahl der am Drogenkonsum Verstorbenen kontinuierlich zurückgegangen. © ddp/afp/aerzteblatt.de 

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