Medizin

Elektrosmog im Inkubator beeinflusst Herzfrequenz von Neugeborenen

Montag, 5. Mai 2008

Siena – Die starken elektromagnetischen Feldstärken (“Elektrosmog”) in Inkubatoren beeinflussen den Herzschlag von Neugeborenen. Einer Studie in den Archives of Diseases in Childhood (2008; doi:10.1136/adc.2007.132738) zufolge nimmt die Variabilität der Herzfrequenz ab. Ob damit gesundheitliche Risiken verbunden sind, ist unklar.

Inkubatoren sind auf allen neonatologischen Intensivstationen im Einsatz. Ihr Hauptzweck besteht darin, ein Auskühlen von Frühgeborenen zu verhindern. Die Wärme wird durch einen Elektromotor erzeugt, in dessen Umgebung relativ starke elektromagnetische Felder entstehen. Da die Motoren meist in den Inkubator integriert sind, ist die Elektrosmog-Exposition der Kinder recht hoch. Extrem frühgeborene Kinder sind den Feldern häufig über viele Wochen ausgesetzt. 

Carlo Bellieni von der Universität Siena in Italien hat die Auswirkungen auf 27 gesunde Neugeborene untersucht, bei denen keine Notwendigkeit für einen Aufenthalt im Inkubator bestand. Die Säuglinge wurden dreimal für fünf Minuten in den Inkubator gelegt. Eine Vergleichsgruppe aus 16 Neugeborenen wurde den typischen Geräuschen der Inkubatoren, nicht aber den elektromagnetischen Feldern ausgesetzt.

Ergebnis: Der Elektrosmog führte zu messbaren Veränderungen auf den Herzschlag, genauer gesagt: Die Variabilität der Herzfrequenz war vermindert. Die Veränderungen waren signifikant, doch ob sie negative Einflüsse auf die Gesundheit von Frühgeborenen haben, ist unklar. Ganz allgemein beschreibt die Herzfrequenzvariabilität die Fähigkeit des Herzens auf äußere Einflüsse zu reagieren. Da die Herzfrequenz durch das Wechselspiel von Sympathikus und Parasympathikus gesteuert wird, ist die Herzfrequenzvariabilität ein Maß für die Funktion des vegetativen Nervensystems.

Bei älteren Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen zeigt eine verminderte Herzfrequenzvariabilität häufig eine verschlechterte Prognose an. In der Regel dürfte der Befund ein Marker und nicht die Ursache der Störung ist. Da die Verminderung der Herzfrequenzvariabilität bei den Neugeborenen reversibel war, dürften bleibende Gesundheitsschäden eher unwahrscheinlich sein. Ausgeschlossen sind sie aber nicht, weshalb Bellieni weitere Studien fordert. Technisch wäre das Problem leicht durch die räumliche Trennung von Motoren und Inkubatoren zu beheben. © rme/aerzteblatt.de

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