Medizin

Schnelle Belohnung für Ex-Raucher – Sterberisiko sinkt nach wenigen Jahren

Mittwoch, 7. Mai 2008

dpa

Boston – Tabakrauchen ist die häufigste vermeidbare Todesursache. Dass sich der vollständige Verzicht auf Zigaretten schon nach wenigen Jahren auszahlt, zeigen die Ergebnisse einer prospektiven Beobachtungsstudie im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2008; 299: 2037-2047).

Etwa zwei Drittel (64 Prozent) aller vorzeitigen Todesfälle bei Raucherinnen und ein Viertel (28 Prozent) aller vorzeitigen Todesfälle bei Ex-Raucherinnen sind die Folge der schädlichen Auswirkungen des Tabakrauches, berichtet Stacey Kenfield von der Harvard School of Public Health in Boston. Die Epidemiologin bezieht dieses Zahlen aus einer neuen Analyse der Nurses’ Health Study, an der sich mehr als 100.000 Krankenschwestern beteiligten.

Zwischen 1980 und 2004 sind 12.483 von ihnen gestorben, 3.602 (29 Prozent) hatten bis zum Tod aktiv geraucht. Weitere 4.396 (35 Prozent) waren Ex-Raucherinnen. Der Anteil beider Gruppen unter den Toten war damit deutlich höher als unter den Lebenden. Nach den Berechnungen von Kenfield haben aktive Raucherinnen ein fast dreifach erhöhtes Sterberisiko (Hazard Ratio 2,81), das Risiko auf eine tödliche Krebserkrankung war sogar mehr als siebenfach höher als bei Krankenschwestern, die niemals geraucht hatten (Hazard Ratio 7,25).

Rauchen führt keineswegs nur zum Lungenkrebs. Über die Blutbahn gelangen die kanzerogenen Schadstoffe in alle Organe des Körpers, weshalb beispielsweise auch das Darmkrebsrisiko bei Raucherinnen um 63 Prozent erhöht war (Hazard Ratio 1,63).

Aus den Angaben der Krankenschwestern, die regelmäßig Fragen zu ihren aktuellen Lebensgewohnheiten beantworten, konnte Kenfield auch ablesen, wie lange Ex-Raucher warten müssen, bis sich ihr Sterberisiko normalisiert. Die schlechte Nachricht: Bis sie den Zustand von Niemalsrauchern erreichen, kann es 20 Jahre oder länger dauern.

Die gute Nachricht: Gegenüber Personen, die weiter rauchen, zeichnet sich bereits nach kurzer Zeit ein Vorteil ab. Das Gesamtsterberisiko sinkt in den ersten fünf Jahren um 13 Prozent (Hazard Ratio 0,87). Das Herzinfarktrisiko sinkt in dieser Zeit sogar um 47 Prozent (Hazard Ratio 0,53). Selbst das Lungenkrebsrisiko geht frühzeitig zurück, nämlich um 21 Prozent (Hazard Ratio 0,79) in den ersten fünf Jahren. Allerdings dauert es 30 Jahre, bis Ex-Raucherinnen das gleiche niedrige Lungenkrebsrisiko von Nichtraucherinnen haben.

Die negativen Auswirkungen des Rauchens auf andere Atemwegserkrankungen halten dagegen länger an. Die Zahl der COPD-Erkrankungen war bei den Ex-Raucherinnen in den ersten fünf Jahren sogar um 73 Prozent höher als bei den Krankenschwestern, die weiter rauchten (Hazard Ratio 1,73).

Dies ist vermutlich die Folge eines „ill-quitters”-Effekt: Einige Raucherinnen verloren vermutlich deshalb die Lust am Rauchen, weil ihnen wegen einer schweren COPD zunehmend die Luft wegblieb. Ihre Lungengesundheit war dann in den ersten Jahren schlechter als bei den Frauen ohne Atemnot, die sich weiter der Illusion hingeben konnten, dass der Tabak vielleicht anderen, aber nicht ihnen selbst schade. © rme/aerzteblatt.de

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