Kinderheilkunde: Telemedizin filtert wahre Notfälle heraus
Mittwoch, 7. Mai 2008
Honululu – Online- oder Telefondienste könnten rund 28 Prozent vermeintlicher pädiatrischen Notfälle übernehmen und somit hohe Kosten sparen. Dies geht aus einer Analyse von Wissenschaftlern der University of Rochester Medical Center hervor. Die Forscher stellten ihre Studie auf dem jährlichen Treffen der Pediatric Academic Society in Honululu vor.
Die Wissenschaftler erfassten im Laufe eines Jahres alle Notfälle einer pädiatrischen Notaufnahme. „Wir konnten feststellen, dass in einem von vier Fällen die pädiatrische Notfallabteilung für Nicht-Notfälle beansprucht wurde“, berichtet Kenneth McConnochie, Professor für Pädiatrie an der University of Rochester und Leiter der Studie. „Dieses Missverhältnis an Bedarf und Ressourcen ist ineffizient und teuer.“ In etwa 28 Prozent der analysierten Fälle hatten die Patienten harmlose Beschwerden, die keiner Notversorgung bedurften. Häufig handelte es sich um Halsschmerzen oder Ohrentzündungen.
Die Wissenschaftler der University of Rochester bieten mit „Health-e-Access“ ein telemedizinisches Programm an, das interaktive Hausbesuche via Internet und Telefon ermöglicht. Im Studienzeitraum hätte Health-e-Access in mehr als 12.000 Fällen das Aufsuchen einer pädiatrischen Notaufnahme verhindern können.
„Dies hätte nicht nur dazu geführt, dass die Ressourcen der Notversorgung besser für Patienten mit wahrem Bedarf hätten genutzt werden können, sondern auch zu geringeren Eigenbeteiligungen für die Eltern der betroffenen Kinder“, erklärt McConnochie. Zudem sei eine persönlichere Versorgung der Patienten möglich, da im Durchschnitt 87 Prozent der telemedizinischen Visiten dem Kinderarzt der jeweils betroffenen Familie zufallen.
In ihrer Studie untersuchte McConnochies Arbeitsgruppe zudem zwei Gruppen. Diese unterschieden sich darin, dass eine neben dem Arzt und der Notaufnahme auch Zugang zur telemedizinischen Versorgung hatte. Die Wissenschaftler verfolgten, wie häufig die Familien welche Dienste nutzten. Sie fanden heraus, dass Familien mit Zugang zur Telemedizin etwa um 23 Prozent häufiger medizinische Versorgung erlangten, und um 24 Prozent seltener die Notaufnahme beanspruchten.
Nach Ansicht der Wissenschaftler können neben Krankenhäusern und Patienten auch Versicherungen durch immense Kosteneinsparungen von diesem Modell profitieren, da die Versorgung in der Notaufnahme das Siebenfache einer telemedizinischen oder praxisambulanten Versorgung koste. © hil/aerzteblatt.de
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