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Ärzte, Kassen und Verbraucherzentralen kritisieren Pharmamarketing

Donnerstag, 8. Mai 2008

Berlin – Die Marketingstrategien der Pharmaindustrie scharf kritisiert haben die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), die Spitzenverbände der Krankenkassen und der Verbraucherzentrale Bundesverband. Konkret greifen sie die Marketingstrategien der Firma Novo Nordisk an. Die Firma biete Ärzten sogenannte Forschungsvorhaben an. Durch vertraglich fixierte Geldzahlungen versuche der Hersteller, Ärzte zum Verschreiben eines neuen Arzneimittels zu bewegen. Dabei geht es um den Einsatz von Insulinanaloga bei der Behandlung von Patienten mit Diabetes mellitus Typ II. Für das Verschreiben zweier bestimmter Präparate des Herstellers bei 100 Patienten biete dieser den Ärzten eine Zahlung von insgesamt 10.000 Euro an. Der Arzt wird laut Vertrag aufgefordert, „nach Beendigung des Forschungsvorhabens die Forschungsergebnisse in einem detaillierten Abschlussbericht zusammenzustellen“ und „Novo Nordisk Gelegenheit zur Stellungnahme und zu Ergänzungs- und Änderungsvorschlägen (zu) geben“.

Die Firma Novo Nordisk widerspricht dieser Interpretation. „Ärzte erhalten von uns keine Geld dafür, dass sie bestimmte Präparate verschreiben“, betonte Franz Jürgen Schell, Communication Manager von Novo Nordisk gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt. Stelle ein Arzt aber einen Patienten aus medizinischen Gründen auf ein entsprechendes Medikament um, sei die Firma an Forschungsdaten interessiert. Für die Erhebung dieser Daten müsse der Arzt mindestens drei zusätzliche Untersuchungen vornehmen, die ihm die Firma nach der Gebührenordnung der Ärzte GOÄ erstatte. Die Vergütung sei dabei nicht so attraktiv, dass sie der Grund für eine Umstellung auf das Novo-Nordisk-Präparat wäre. „Auf 10.000 Euro käme eine Praxis nur, wenn sie 100 Patienten umstellen würde“, erklärte Schell.

Die Spitzenverbände der gesetzlichen Krankenkassen und die KBV fordern gemeinsam mit dem Verbraucherzentrale Bundesverband die Selbstkontrollorgane der Pharmaindustrie dringend auf, solche Geschäftsmethoden zu sanktionieren und dafür zu sorgen, dass sie künftig unterbleiben. „Denn ein solches Vorgehen ist in höchstem Maß unethisch und unverantwortlich“, hieß es aus den Verbänden. Abgesehen von der moralisch zweifelhaften Vorgehensweise von Novo Nordisk sei derzeit ein Gesundheitsrisiko für Patienten nicht hundertprozentig auszuschließen, weil Langzeituntersuchungen fehlten. Fest stehe dagegen, dass eine Umstellung zahlreicher Patienten auf die wesentlich teureren Präparate, ohne dass ein erkennbarer Nutzen dies rechtfertige, den Patienten, den Versicherten, Krankenkassen und der Ärzteschaft insgesamt schade.   © hil/aerzteblatt.de

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