Medizin

Bedenken gegen Acomplia® bei Kindern

Freitag, 9. Mai 2008

Cambridge – Sogenannte Cannabis-Blocker haben in tierexperimentellen Studien in Neuron (2008; 58: 340-345) die Plastizität des Gehirns so sehr gestört, dass die Forscher dringend vom Einsatz des Appetitzüglers Acomplia bei Kindern abraten, dessen Wirkstoff Rimonabant eine ähnliche Wirkung hat.

Das Medikament Acomplia ist wegen fehlender Studienergebnisse nicht zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren zugelassen. Die auch in dieser Altersgruppe immer häufiger auftretende Adipositas könnte jedoch Ärzte veranlassen, das Medikamente off-label einzusetzen, was möglicherweise negative Auswirkungen auf die Hirnentwicklung haben könnte.

Diese ist während der Geburt noch nicht abgeschlossen. Viele Nerven werden im Kindesalter und auch während der Pubertät neu verschaltet, was die Neurowissenschaftler mit dem Schlagwort Plastizität beschreiben.

Dieses Phänomen liegt der Wirkung der Okklusionstherapie bei der Amblyopie im Kleinkindalter zugrunde, und Neurowissenschaftler benutzen gerne einen ähnlichen Ansatz, wenn sie die Plastizität der Hirnrinde studieren wollen: Beim Augendominanzwechsel (ocular dominance shift) wird neugeborenen Versuchstieren zeitweise ein Auge abgedeckt, was im zugehörigen visuellen Kortex zu einem Verlust von Synapsen (eventuell mit der Folge einer Erblindung) führt, während auf der anderen Seite neue Synapsen verknüpft werden.

Die Experimente von Bear zeigen nun, dass diese Fähigkeit zur Plastizität nach der pharmakologischen Blockade der Endocannabinoid-Rezeptoren teilweise verlorengeht. Genau auf diesem Mechanismus beruht die Wirkung von Rimonabant, das seit 2006 als Acomplia zur Behandlung der Adipositas zugelassen ist, weil das Endocannabinoid-System auch den Hungerreiz vermittelt. Der Einsatz bei Kindern könnte deshalb zu Entwicklungsstörungen des Gehirns führen, befürchtet Bear. © rme/aerzteblatt.de 

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