Lebensgefährliches „Serotonin-Syndrom“ durch Migränemedikamente
Freitag, 16. Mai 2008
Washington – Eine Monotherapie der Migräne mit Triptanen kann zu einer lebensgefährlichen Überflutung des Körpers mit dem Neurotransmitter Serotonin führen, die als „Serotonin-Syndrom“ bezeichnet wird. Davor warnen US-Forscher in einem Leserbrief im New England Journal of Medicine (2008; 358: 2185-2186).
Triptane wirken als Agonisten am Rezeptor für den Neurotransmitter Serotonin. Dessen Konzentration wird gesteigert durch die Einnahme von Antidepressiva aus der Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) oder der selektiven Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI).
Die Folge kann eine exzessive Steigerung der Serotoninwirkung im Körper sein, gekennzeichnet durch die Trias aus mentalen Störungen (Unruhe, Halluzinationen, Koordinationsstörungen), autonomer Hyperaktivität (Tachykardie, Blutdruckschwankungen, Fieber) und neuromuskulären Störungen (Hyperreflexie, Tremor). Bislang wurde dieses lebensgefährliche „Serotonin-Syndrom“, vor dem die FDA bereits im Juli 2006 warnte, nur bei Patienten beobachtet, die sowohl mit Triptanen als auch mit Antidepressiva behandelt wurden.
Jetzt berichtet Offie Soldin von der Georgetown Universität in Washington erstmals über Patienten, die unter einer Monotherapie mit Triptanen an einem „Serotonin-Syndrom“ erkrankten. Zusammen mit einem Mitarbeiter der FDA hat die Expertin im Adverse Event Reporting System (AERS) der FDA elf Fälle ermittelt, von denen drei explizit als „Serotonin-Syndrom“ gemeldet wurden, während die anderen acht Meldungen die für die Komplikation charakteristichen Symptome bei ihren Patienten beschreiben.
Fünf der elf Patienten mussten hospitalisiert werden, bei zweien bestand sogar Lebensgefahr. Da die AERS-Meldungen freiwillig sind, sei die Komplikation möglicherweise häufiger als die geringen Fallzahlen vermuten ließen, warnen die Forscher.
Nach dem Public Health Advisory der FDA haben auch die Hersteller in Deutschland einen Hinweis auf das „Serotonin-Syndrom“ in die Fachinformationen aufgenommen. Es wird dort jedoch nur um Vorsicht bei der Kombinationstherapie mit SSRI oder SNRI gebeten. Vertreter zweier Hersteller versicherten den US-Medien, ihnen seien keine Fälle des „Serotonin-Syndrom“ unter der Monotherapie mit Triptanen bekannt. © rme/aerzteblatt.de
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