Politik

Sorge um wachsende Zahl Demenzkranker

Montag, 19. Mai 2008

Berlin – Politikern und Ärzte sehen die zunehmende Zahl Demenzkranker in Deutschland mit Sorge. Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) warnte am Wochenende angesichts der Versorgungsengpässe vor einer „menschlichen Katastrophe“. Bundesärztekammer-Präsident Jörg-Dietrich Hoppe verlangte eine „Alzheimer-Abgabe“. Die Grünen forderten einen bezahlten Pflegeurlaub.

Von der Leyen sagte: „Auf uns kommt eine menschliche Katastrophe zu, wenn wir das Thema weiter verdrängen.“ Die Gesellschaft stehe vor riesigen Herausforderungen, da professionelle Dienste die Pflege der Erkrankten allein nicht leisten könnten. Ohne bürgerschaftliches Engagement vieler Freiwilliger bekomme man das Problem nicht in den Griff.

Die Ministerin warb daher für neue Netzwerke der Hilfe. „Es sind die jungen Alten, die sich einsetzen müssen, es ist meine Generation. Wir sind sehr viele. Wenn wir die sechzig überschritten haben, dann werden wir uns kümmern müssen“, sagte sie. Wenn die ehrenamtlichen Strukturen heute nicht aufgebaut würden, „werden wir dramatisch scheitern, menschlich und ökonomisch“.

Die CDU-Politikerin verlangte zudem, die Arbeitswelt so zu gestalten, dass Familie und Pflege miteinander vereinbar seien. „Der mittleren Generation muss es möglich bleiben, ihre eigenen Talente im Beruf zu entfalten und dennoch Verantwortung zu übernehmen für die Kinder - und eben auch für die Alten.“

Ärztepräsident Hoppe, verwies darauf, dass Demenzkranke aus Kostengründen nicht die nötige Medizin erhielten. „Der Staat sollte die Pharma-Hersteller verpflichten, von jeder verkauften Arznei-Packung 50 Cent an die Kassen abzuführen. Durch eine solche Alzheimer-Abgabe könnten einige Milliarden Euro zusammenkommen“, sagte er. Das Geld aus der Abgabe müsste nach Meinung von Hoppe zur Erforschung besserer Medikamente eingesetzt werden.

Schon jetzt gebe es erste Mittel, die die Demenz verzögern, argumentierte er. „Doch diese Mittel sind sehr teuer, und die Kassen bezahlen sie nicht. Viele ältere Menschen bekommen damit nur eine Sauber-und-Satt-Pflege, aber keine optimale Behandlung.“ Die einfache Behandlung dementer Menschen verursache dennoch bereits jährlich Kosten von 5,6 Milliarden Euro. Die bessere Versorgung von Demenzkranken ist ein Schwerpunkt auf dem Deutschen Ärztetag, der am Dienstag in Ulm beginnt.

Grünen-Pflegeexpertin Elisabeth Scharfenberg bekräftigte in dem Zusammenhang die Forderung nach einem bezahlten Pflegeurlaub. Angehörige müssten gesichert eine Auszeit von ihrem Job nehmen können, um die Pflege der Betroffenen zu organisieren. Die Versorgung Demenzkranker allerdings „einseitig“ auf die Verwandten zu verlagern, sei der falsche Weg, sagte sie mit Blick auf die Äußerungen der Familienministerin. Diese seien bereits jetzt schon derart überlastet, dass mehr kaum möglich sei. © ddp/aerzteblatt.de

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