Medizin

Demenz: Antipsychotika mit tödlichen Risiken

Dienstag, 27. Mai 2008

Toronto – Verhaltensstörungen von Demenzpatienten lassen sich mit Neuroleptika gut behandeln. Doch nach der Auswertung von Verordnungsdaten aus Kanada in den Archives of Internal Medicine (2008; 168: 1090-1096) ist auch der kurzfristige Einsatz in der ambulanten Therapie nicht ohne Risiken. 

Während die älteren „typischen“ Neuroleptika wie Haloperidol häufig mit extrapyramidalen Nebenwirkungen einhergehen, gelten die neueren „atypischen“ Neuroleptika als gut verträglich. Ihr dauerhafter Einsatz bei älteren Menschen mit Demenzen ist jedoch nicht ohne Risiken, wie eine Reihe früherer Studien zeigte. Sie veranlassten die amerikanische Zulassungsbehörde FDA 2005 zu einem Public Health Advisory, der die zurückhaltende Verordnung dieser Medikamente anmahnt, zumal sie in den meisten Fällen eher im Interesse der Betreuer als der Patienten selbst eingesetzt werden.

Viele Ärzte setzen die Medikamente deshalb nur noch kurzfristig ein, doch auch dies scheint Risiken zu bergen, wie die Studie von Paula Rochon vom Institute for Clinical Evaluative Sciences in Toronto zeigt. Die Forscherin hat die Daten von etwa 40.000 älteren Demenzpatienten (66 Jahre oder älter) ausgewertet, von denen die Hälfte zuhause betreut wurden, die anderen lebten in einem Pflegeheim. 

Die Analyse zeigt, dass es innerhalb von 30 Tagen nach der Verordnung von Antipsychotika zu einem Anstieg von schweren Komplikationen kam, die einen Klinikaufenthalt erforderlich machten oder sogar zum Tod führten. Für die zuhause betreuten Patienten war das Risiko nach der Verordnung von atypischen Neuroleptika um den Faktor 3,2 (95-Prozent-Konfidenzintervall 2,77-3,68) erhöht. Beim Einsatz der älteren typischen Neuroleptika stieg das Risiko um den Faktor 3,8 (3,31-4,39). Bei den Patienten, die im Pflegeheim betreut wurden, war das Risiko ebenfalls erhöht, wenn auch nicht ganz so stark. 

Die Forscher raten deshalb auch beim kurzfristigen beim Einsatz dieser Medikamente zur Vorsicht. Sie können sich vorstellen, dass das Risiko sogar noch größer ist als die Zahlen vermuten lassen, da die Ärzte die Medikamente nach dem Auftreten von Nebenwirkung vermutlich absetzen würden. © rme/aerzteblatt.de

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