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Fairness: Serotonin bestimmt, wann der Geduldsfaden reißt

Montag, 9. Juni 2008

Cambridge – Der Neurotransmitter Serotonin macht geduldig. Nach einer Studie in Science (2008; doi: 2008; 10.1126/science.1155577) fördert er die Bereitschaft, sich auf unfaire Vereinbarungen einzulassen und in schwierigen Situationen die Nerven zu behalten.

Das Ultimatum-Spiel wurde von experimentellen Ökonomen entwickelt, um das irrationale Verhalten bei Verhandlungen im Wirtschaftsleben zu erforschen: Zwei Spieler sitzen sich gegenüber. Einer macht ein Angebot. Sagen wir, ein Hundert-Euro-Schein soll geteilt werden.

Der Anbieter bestimmt das Verhältnis, doch der andere kann es ablehnen. Dann erhalten beide keinen Cent. Natürlich macht der Anbieter ein unfaires Angebot. Er bietet dem Gegenüber 20 Euro. Ob das Gegenüber dieses Angebot annimmt, hing in der Studie der Arbeitsgruppe um Matthew Lieberman von der Universität von Kalifornien in Los Angeles davon ab, was er morgens gegessen hatte. 

Es gab zwei Studienarme. In beiden hatten die Teilnehmer am Abend vorher gefastet. Morgens erhielten sie ein stärkendes Getränk. In einer Gruppe enthielt es alle Aminosäuren in einer bedarfsgerechten Mischung. Bei der anderen Gruppe fehlte die Aminosäure Tryptophan. Sie ist Substrat für die Bildung von Serotonin.

Dieses Getränk führt zu einem akuten Serotoninmangel im Gehirn – und in dem Experiment dazu, dass den Teilnehmern in 82 Prozent der Fälle der Geduldsfaden riss. So häufig lehnten sie das unfaire Angebot ab. In der anderen Gruppe, die ausreichend Serotonin im Hirn hatte, war dies nur bei 67 Prozent der Probanden der Fall.

Die Studie könnte laut Lieberman durchaus erklären, warum manche Menschen zur Aggressivität neigen, wenn sie nicht richtig gefrühstückt haben. Und Teilnehmer von Tarifverhandlungen sollten sich vielleicht erkundigen, was denn die Snacks enthalten, die ihnen in den Pausen gereicht werden. © rme/aerzteblatt.de

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