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Bakteriämie durch Zähneputzen

Dienstag, 10. Juni 2008

Charlotte –  Für Menschen mit einem erhöhten Risiko auf eine bakterielle Endokarditis könnte das tägliche Zähneputzen möglicherweise gefährlicher sein als eine Zahnextraktion. Zu diesem Schluss kommt eine Studie in Circulation (2008, doi: 10.1161/CIRCULATIONAHA.107.758524). Dennoch wäre es falsch, den Patienten vom Zähneputzen abzuraten. 

Dass es nach einer Zahnextraktion zu einer vorübergehenden Bakteriämie kommt, ist bekannt. Endokarditisgefährdeten Patienten wird deshalb zu einer Antibiotikaprophylaxe geraten. Ob sie wirksam ist, wurde in einer randomisierten placebokontrollierten Studie untersucht, in der jeweils 96 Teilnehmer vor der Extraktion eines Zahnes mit Amoxicillin oder Placebo behandelt wurden.

Zu sechs Zeitpunkten vor, während und nach der Behandlung wurden Blutkulturen auf häufige Endokarditis-Erreger angelegt. Ergebnis: Im Placebo-Arm war bei 60 Prozent der Patienten wenigstens eine Blutkultur positiv. Diese Rate wurde durch die Amoxicillinbehandlung auf 33 Prozent gesenkt. Das Antibiotikum bietet also keinen absoluten Schutz vor einer Bakteriämie. 

Die Studie hatte indes noch einen dritten Arm. Hier wurden die sechs Blutkulturen vor, während und nach dem Zähneputzen entnommen. Das überraschende Ergebnis: Auch hier war bei 23 Prozent der Patienten wenigstens eine Blutkultur positiv, wie Peter Lockhart vom Carolinas Medical Center in Charlotte/North Carolina und Mitarbeiter berichten.

Seine Erklärung: Zwar ist Zähneputzen weniger invasiv als eine Zahnextraktion. Doch das Reiben der Zahnbürste an der Gingiva führt täglich zu kleineren Verletzungen, die wegen der (im Vergleich zur Zahnextraktion) größeren Angriffsfläche, die Chance erhöht, dass Bakterien in die Blutbahn gelangen. Und da die meisten Menschen sich täglich die Zähne putzen, ist die Gefahr, trotz der niedrigen Bakteriämierate in der Studie, auf lange Sicht gesehen größer als nach einer einmaligen Zahnextraktion.

Niemand wird deshalb Menschen mit einem erhöhten Endokarditis-Risiko zur langfristigen Antibiotikaprophylaxe raten. Und auch der Verzicht auf das Zähneputzen wäre nach Ansicht der American Heart Association falsch. Denn eine fehlende Mundhygiene steigert die Bakterienkonzentration im Mundraum, und die absehbare Gingivitis erhöht das Risiko, dass diese Bakterien (auch ohne Zähneputzen) den Weg ins Blut und dann zu den Herzklappen finden.

Die Rate der infektiösen Endokarditiden ist seit vielen Jahren rückläufig. Die American Heart Association empfiehlt eine Antibiotikaprophylaxe seit dem letzten Jahr nur noch für Personen in der höchsten Risikogruppe.

Dazu gehören Patienten mit künstlichen Herzklappen (oder mit künstlichen Materialien reparierte Herzklappen) sowie Menschen nach einer Endokarditis. Auch Patienten, die nach Herztransplantationen einen Klappenfehler entwickeln, und Menschen mit schweren angeborenen Herzfehlern wird dazu geraten. Die Zahl der betroffenen Patienten ist aber sehr klein. © rme/aerzteblatt.de

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