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Studie: Zytostatikum bremst multiple Sklerose

Dienstag, 10. Juni 2008

Baltimore – Ist eine hoch dosierte Chemotherapie mit dem Zytostatikum Cyclophosphamid eine Therapieoption für Patienten mit aggressivem Verlauf einer multiplen Sklerose? In einer offenen US-Studie in den Archives of Neurology (2008; 65: doi: 10.1001/archneurol.65.8.noc80042) wurde die Krankheitsaktivität bei den meisten Patienten vermindert. Auch die Zahl der Läsionen in der Kernspintomografie ging deutlich zurück.

Die Stickstoff-Lost-Verbindung Cyclophosphamid gehört zu den Zytostatika, die aber durch ihren Angriff auf Abwehrzellen auch eine immunsupprimierende Wirkung entfaltet. Es wird deshalb – durchaus mit Erfolg – bei Autoimmunerkrankungen wie dem systemischen Lupus erythematodes eingesetzt. Bei der multiplen Sklerose, die ebenfalls zu den Autoimmunerkrankungen gehört, waren die Ergebnisse lange Zeit unterschiedlich, berichtet Chitra Krishnan von der Johns Hopkins Universität in Baltimore.

Folglich wurde die Dosis erhöht und in jüngster Zeit hatten mehrere Gruppen über Erfolge bei einer ablativen Dosierung berichtet. Sie ist jedoch wegen der Notwendigkeit einer nachfolgenden hämatopoetischen Stammzelltherapie mit einer hohen Therapiemortalität von fünf bis 15 Prozent verbunden. Außerdem wurden Hirnatrophien beobachtet. Beides spricht gegen die breite Anwendung dieser Therapie. 

In Baltimore entschied man sich deshalb für eine etwas niedrigere Cyclophosphamiddosis, nach der sich das Knochenmark spontan (wenn auch mit Unterstützung des Wachstumsfaktor Filgrastim) erholt. In einer ersten Studie wurden neun Patienten mit einem aggressiven Verlauf einer schubförmig remittierenden multiplen Sklerose behandelt, bei denen konventionelle Therapien nicht zum Erfolg geführt hatten. Die Patienten erhielten an vier aufeinander folgenden Tagen intravenös jeweils 50 mg/kg Cyclophosphamid appliziert. Sechs Tage später erhielten sie zur Unterstützung der Knochenmarkerholung 5µg/kg/die Filgrastim.

Inzwischen sind im Mittel 23 Monate vergangen. Der erste Erfolg der Therapie bestand darin, dass alle Patienten sie überlebten und niemand eine Hirnatrophie oder sonstige unerwartete Komplikationen entwickelte. Die Therapie war jedoch nicht nur – einigermaßen – sicher, sie scheint auch wirksam zu sein, so weit man das in einer offenen Studie an neun Patienten bei einer Erkrankung wie der multiplen Sklerose überhaupt feststellen kann: Der Kurzke-Score (EDSS) verbesserte sich um 2,11 Punkte (minus 40 Prozent) und die Zahl der Läsionen in der Kernspintomografie (mit Gadolinium) ging von 6,5 auf 1,2 zurück (minus 82 Prozent).

Für Krishnan ist das ein klarer Erfolg der Therapie, auch wenn die Tatsache, dass zwei Patienten mittlerweile wieder einen schweren Schub erlitten, zeigt, dass Cyclophosphamid den Krankheitsverlauf sicher nicht beendet. Der Erfolg der Therapie dürfte jetzt davon abhängen, ob sich für weitere Studien jene Patienten auswählen lassen, bei denen die Therapie am ehesten anschlägt. Krishnan vermutet, dass dies bei Patienten mit einem aggressiven Verlauf der Erkrankung der Fall ist, bei denen die permanenten Behinderungen noch nicht allzu ausgeprägt sind. © rme/aerzteblatt.de

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