Medizin

Studie: Licht lindert Demenz und Depressionen im Pflegeheim – Fragliche Effizienz einer Melatonintherapie

Mittwoch, 11. Juni 2008

Amsterdam – Um die Stimmung von Senioren im Altersheim aufzuhellen, gibt es nach den Ergebnissen einer randomisierten Studie im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2008; 299: 2642-2655) ein einfaches Rezept: Mehr Licht. Es sorgte auch für helle Köpfe, wenn man die Auswirkungen auf die kognitiven Fähigkeiten der Heimbewohner so interpretieren darf. Und schließlich machte es bei Licht betrachtet die Einnahme von Melatonin erst zu einer effektiven Therapie.

Für die Studie ließen Rixt Riemersma-van der Lek und Mitarbeiter der Königlichen Niederländischen Akademie der Wissenschaften in Amsterdam in den gemeinschaftlichen Wohnräumen von zwölf Pflegeheimen Plexiglasdiffusoren an den Decken anbringen. In sechs der Pflegeheime wurden sie mit lichtstarken Leuchtmitteln versehen, welche die Räume von neun Uhr morgens bis sechs Uhr abends auf etwa 1.000 Lux erleuchteten. In den anderen sechs Pflegeheimen war die Leuchtstärke auf 300 Lux gedimmt. Außerdem wurden die Patienten in den beiden Gruppen noch auf eine Therapie mit Melatonin oder Placebo randomisiert.

Beide Therapien sollten den Tag-Nacht-Rhythmus synchronisieren, denn die im Alter häufigen Schlafstörungen gelten als mögliche Ursache für Depressionen und das bei dementen Personen häufige aggressive Verhalten, das die Betreuung erheblich erschweren kann.

Der Versuch läuft seit mittlerweile 3,5 Jahren. Die Auswirkungen auf die 189 Bewohner im Alter von 86 Jahren, von denen 90 Prozent weiblich sind und 87 Prozent eine Demenz haben, sind nach Auskunft von Riemersma-van der Lek positiv.

Die Lichttherapie verringerte die Abnahme der kognitiven Leistungen um 0,9 Punkte im Mini-Mental-Status-Test, was immerhin ein Unterschied von fünf Prozent ausmacht. Noch günstiger waren die Auswirkungen auf die depressiven Symptome. Sie verschlechterten sich zwar in beiden Gruppen, aber bei Lichtexposition doch um 19 Prozent weniger (absolut 1,5 Punkte auf der Cornell Scale for Depression in Dementia). Bei den Verrichtungen des täglichen Lebens ergab sich sogar ein Unterschied von 53 Prozent (absolut 1,8 Punkte pro Jahr in Katz-Skala für Pflegeberufe, NI-ADL).

Die Melatonintherapie erfüllte dagegen nicht die Erwartungen. Zwar schliefen die Senioren besser ein und die Schlafdauer wurde um eine knappe halbe Stunde verlängert. Doch ausgeschlafener wirkten sie nicht. Das Affektverhalten im Philadelphia Geriatric Centre Affect Rating Scale und das abweisende Verhalten in der Multi Observational Scale for Elderly Subjects Scale (MOSES) waren gesteigert. Kurzum: Die tägliche Melatonintherapie erleichterte die Pflege der Bewohner nicht.

Nur wenn Melatonin und Lichttherapie kombiniert wurden, war ein positiver Effekt der Hormontherapie erkennbar. Das aggressive Verhalten der Heimbewohner war um neun Prozent reduziert. Ob dies den Einsatz von Melatonin bei Heimbewohnern rechtfertigt, dürfte offen bleiben. Doch an den Vorteilen der Lichttherapie besteht nach Ansicht von Riemersma-van der Lek kein Zweifel. Die Therapie sei nebenwirkungsfrei und könnte in den Wohneinrichtungen leicht umzusetzen sein. © rme/aerzteblatt.de

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