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GEK-Arzneimittel-Report: Ausgaben stark gestiegen

Dienstag, 24. Juni 2008

Berlin – Die Ausgaben für Arzneimittel sind pro Versichertem der Gmünder Ersatzkasse (GEK) 2007 gegenüber 2006 um 8,1 Prozent gestiegen. Das ergab der sogenannte GEK-Arzneimittel-Report, den die Kasse am Dienstag vorgestellt hat. Der wissenschaftliche Leiter der Studie, Gerd Glaeske vom Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen, schätzte das Einsparpotential der GEK auf rund 28 Millionen Euro oder sieben Prozent. Rund 12,3 Millionen Euro könnten bei Me-Too-Präparaten eingespart werden, 12,1 Millionen Euro im Generikabereich und 4,0 Millionen Euro über Reimporte.

Der deutliche Ausgabenanstieg sei nur zu einem geringen Teil auf die erhöhte Mehrwertssteuer zurückzuführen, nämlich zu rund 2,5 Prozent, erklärte Glaeske. „Auffällig ist die starke Zunahme der Verordnungsmengen bei gleichzeitig geringerem Anstieg der Packungsmengen“, stellte das Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen fest. Das bedeutet, dass die Ärzte mehr Großpackungen verordnet haben.

„Wir brauchen schnellstens die umfassende Kosten-Nutzen-Bewertung neuer Arzneimittel“, sagte der GEK-Vorstandsvorsitzende Rolf-Ulrich Schlenker. Er verteidigte den Versandhandel mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln: „Wir haben gute Erfahrungen mit diesem Vertriebsweg gemacht. Er kommt chronisch kranken Menschen zugute.“

Kritik übte die Kasse an der hohen Verordnungsrate von Antibiotika bei Kindern. „Angesichts der weltweit dramatisch wachsenden Antibiotikaresistenz erscheinen Verordnungsraten von 80 Prozent bei Kindern mit der Diagnose Infektion der oberen Atemwege oder Mittelohrentzündung höchst fragwürdig“, hieß es aus der GEK. Insgesamt entfielen 20 Prozent aller verordneten Antibiotika auf Kinder.

Lob für den Report kam von der Parlamentarischen Staatssekretärin Marion Caspers-Merk. Besonders aufschlussreich sei, dass sich die Arzneimittelausgaben auf einen vergleichsweise kleinen Teil der Versicherten konzentrierten. 80 Prozent der Ausgaben entfielen auf weniger als 20 Prozent der Versicherten. „Gezieltes Versorgungsmanagement kann hier große Erfolge erzielen, wenn es sich an den Bedürfnissen der chronisch kranken Versicherten orientiert“, so Caspers-Merck. Erfreulich sei, dass patentgeschützte Me-Too-Arzneimittel seit ihrer Einbeziehung in die Festbeträge die Kosten nicht weiter in die Höhe trieben. „Auch wenn ihr Anteil immer noch relativ hoch ist. Die Trendumkehr ist geschafft“, sagte die Staatssekretärin.

Der Verband Forschender Arzneimittelhersteller (VFA) verteidigte die steigenden Arzneimittelausgaben. „Aufgrund der Alterung der Gesellschaft werden der Verbrauch an Arzneimitteln und damit die Ausgaben der Kassen steigen. Dies sollten wir offen aussprechen, statt in alte Feindbilder zu fallen und Sündenböcke für ein aus den Fugen geratenes Gesundheitssystem zu suchen“, sagte die VFA-Geschäftsführerin Cornelia Yzer. ©hil/aerzteblatt.de

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