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Hypertonie: Auch im Internet entscheidet der persönliche Kontakt über den Therapieerfolg

Mittwoch, 25. Juni 2008

Seattle – Das Internet kann die Betreuung von Patienten mit arterieller Hypertonie erleichtern. Eine Verbesserung der Versorgungsqualität wurde einer randomisierten Studie im Amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2008; 299: 2857-2867) zufolge allerdings nur erzielt, wenn dem Patienten via Internet eine „echte” Kontaktperson zur Verfügung stand.

Die meisten Hochdruckpatienten besitzen ein Blutdruckmessgerät und viele verfügen über einen Internetanschluss. Zahlreiche Patienten wären auch bereit, beides zu nutzen, wie dies Beverly Green von der Group Health Cooperative, einer Nonprofit-Organisation in Seattle, 259 Patienten anbot. Die Teilnehmer sollten den Blutdruck regelmäßig selbst kontrollieren und sie konnten sich per E-Mail an den Arzt wenden, um Rezepte zu erneuern, Termine zu vereinbaren oder ihre elektronische Krankenakte einzusehen. Auch Informationsportale für Hypertoniker standen den Patienten offen.

Die Vorteile gegenüber dem zweiten Studienarm, in dem die 258 Patienten den Blutdruck nicht selbst kontrollierten und auch keine Internetunterstützung erhielten, waren bescheiden. Der Anteil der Patienten, der nach einem Jahr einen Blutdruck von unter 140/90 mm Hg erreichte, konnte von 31 auf 36 Prozent gesteigert werden. Der Unterschied war statistisch nicht signifikant. Die Investitionen in Blutdruckmessgerät und Internetauftritt hatten sich nicht gelohnt.

Wesentlich günstiger waren die Therapieergebnisse im dritten Arm der Studie. Dort konnten sich die 261 Teilnehmer über Internet mit einem Apotheker austauschen. Anfangs wurden feste 14-tägige E-Mail-Kontakte verabredet. Die Patienten teilten nicht nur ihre Blutdruckwerte mit, sie konnten auch etwaige Bedenken zur Behandlung frei äußern. Der Apotheker war dann berechtigt, die Medikation zu verändern. Er war außerdem geschult, den Patienten zu den möglichen Änderungen des Lebensstils zu beraten. Gemeinsam wurde ein Aktionsplan für den Patienten erarbeitet. Wenn das Ziel eines Blutdrucks von unter 135/85 mm Hg erreicht war, konnte der E-Mail-Kontakt reduziert werden.

Diese „intensivierte” Internetberatung zeigte Wirkung. Der Anteil der Patienten, die das Blutdruckziel von unter 140/90 mm Hg nach einem Jahr erreicht hatten, stieg auf 56 Prozent an, ein signifikanter Unterschied zu den beiden anderen Gruppen. Noch besser waren die Ergebnisse in der Untergruppe von Patienten, die zu Behandlungsbeginn einen systolischen Blutdruck von 160 mm Hg oder höher gehabt hatten. Dank der intensiven Unterstützung durch den Apotheker erreichten 54 Prozent das Therapieziel, im konventionellen Arm der Studie waren es 20 Prozent und mit Blutdruckselbstmessung plus Internetzugang waren es 26 Prozent. In der statistischen Auswertung steigerte die intensive Beratung die Erfolgsrate um mehr als das Dreifache (adjustiertes relatives Risiko auf eine verbesserte Blutdruckkontrolle: 3,32; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,86-5,94).

Die technischen Möglichkeiten allein scheinen demnach nicht auszureichen, um die Versorgungsqualität von Hypertonikern zu verbessern. Nur wenn dahinter ein intensiver persönlicher Kontakt steht, kann die Therapie erfolgreich sein. © rme/aerzteblatt.de

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