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Hündin erschnüffelt Ovarialkarzinome

Montag, 30. Juni 2008

Göteburg – Eine feine Nase hat eine Hündin an der Universität Göteburg bewiesen. Nach einem Jahr Training konnte sie zuverlässig Ovarialkarzinome von anderen Gewebeproben (auch Tumoren) unterscheiden, wie die Mediziner in Integrative Cancer Therapies (2008; doi: 10.1177/1534735408319058) berichten.

Zweimal wöchentlich hatten György Horvath und Mitarbeiter der Sahlgrenska Universität in Göteburg den vierjährigen Riesenschnauzer an Gewebeproben von Ovarialkarzinomen schnuppern lassen. Anfangs wurde nur Proben von fortgeschrittenen seropapillären Karzinomen (Stadium III und IV) verwendet. Als die Hündin sie von anderen nicht neoplastischen Gewebeproben unterscheiden konnte, wurden ihr auch muzinöse und endometrische Ovarialkarzinome in einem frühen Stadium vorgelegt.

Die Hündin war schließlich in der Lage, versteckte Wattebäusche, die zuvor den Geruch des Tumors angenommen hatten, zu finden. Nach sechs Monaten konnte sie Tumoren aus einem frühen Stadium und von niedriger Malignität identifizieren, behaupten die Autoren. Nach zwölf Monaten hatte sie eine hohe Sicherheit in einem Test entwickelt, in dem sie die Tumoren aus vier vorgelegten Proben aufspürte. 

Danach stellten die Onkologen die Hündin auf die Probe. In einem ersten Experiment erkannte sie in 20 Tests jeweils eine von vier Proben mit dem Tumor ohne Fehler (Sensitivität und Spezifität: 100 Prozent). In einem zweiten Test enthielten die Kontrollen Gewebeproben von anderen Tumoren. Die Hündin erschnüffelte alle acht Ovarialkarzinome richtig (Sensitivität: 100 Prozent), hielt aber auch zwei Endometriumkarzinome und ein Zervixkarzinom für ein Ovarialkarzinom (Spezifität: 91 Prozent).

Diese beiden Tests waren einfachblind: Der Hundebetreuer wusste nicht, welche Probe Tumormaterial enthielt. Der nächste Test war doppelblind. Auch die wissenschaftlichen Versuchsleiter wurden im Unklaren gelassen. Dieses Mal erkannte die Hündin alle 20 von 100 Tumoren (Sensitivität :100 Prozent), hielt aber auch zwei von 80 Kontrollen für Tumoren (Spezifität: 97,5 Prozent).

Das sind durchaus Ergebnisse, mit denen Mediziner in Prüfungen bestehen würden. Die Autoren wollen ihre Hündin jedoch nicht zum Facharzt weiterbilden. Für den klinischen Einsatz seien Hunde nicht geeignet. Was in einem streng wissenschaftlichen Versuch möglich ist, lasse sich unter den Bedingungen des klinischen Alltags nicht unbedingt reproduzieren.

Eine Ablenkung der Tiere könne schnell zu unkorrekten Ergebnissen führen. Es ging den Forschern lediglich um den Beweis, dass Tumoren tatsächlich anhand des Geruchs unterschieden werden können. Dies hatten andere Forscher zuvor bereits für Melanome, Blasentumoren, Lungen- und Brustkrebs zeigen können.

Diese Experimente waren jedoch nicht unter kontrollierten Bedingungen durchgeführt worden und es war nicht auszuschließen, dass die Hunde die Tumoren an anderen Faktoren als dem Geruch erkannt hatten, berichten die Forscher. © rme/aerzteblatt.de

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