Medizin

Adipositas: Nierensteine durch Magenbypass?

Montag, 30. Juni 2008

Minneapolis – Eine in den USA häufig durchgeführte bariatrische Operation, der Roux-en-Y-Magenbypass, hat eine deutliche Steigerung der Oxalsäureausscheidung mit dem Urin zur Folge, wie eine Studie im Journal of the American College of Surgeons (2008; 206: 1145-1153) zeigt. Die Chirurgen befürchten eine Zunahme von Nierensteinen.

Drei Viertel aller Nierensteine bestehen aus Kalziumoxalat. Eine vermehrte Ausscheidung von Oxalsäure mit der Niere ist (außer in den wenigen genetisch bedingten Erkrankungen) vor allem auf eine orale Oxalatzufuhr (zum Beispiel Spinat, Schokolade, Erdnüsse) zurückzuführen. Ein Malabsorptionssyndrom im Dünndarm kann die Resorption deutlich steigern, wie man von Darmverkürzungen etwa nach Morbus Crohn weiß.

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Die Pathogenese ist nicht vollständig geklärt. Die vermehrte Bindung von Kalzium an Fettsäuren, die wegen der Darmverkürzung nicht resorbiert werden, könnte dazu führen, dass das mit der Nahrung aufgenommene Oxalat vermehrt ungebunden von Kalzium vorliegt und deshalb besser resorbiert wird.

Eine funktionelle Dünndarmverkürzung wird auch durch den Roux-en-Y-Magenbypass geschaffen. Dabei wird ein verkleinerter Magen (Pouch) direkt mit einem distalen Teil des Dünndarms verbunden. Dies ist ein Y-Schenkel. An diesem funktionell verkürzten Dünndarm wird der verbliebene proximale Teil des Dünndarms anastomisiert.

Über diesen zweiten Y-Schenkel fließen Gallensäuren und Bauchspeichel in den gemeinsamen Dünndarm (Y-Stamm). Durch die Verkürzung der Verdauungsstrecke wird die Kalorienzufuhr deutlich eingeschränkt. Zudem soll ein Dumping-Syndrom – Symptome: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall – den Patienten den Konsum von Süßigkeiten verleiden, was nicht allen Patienten gefallen dürfte.

Ein weiterer Nachteil könnten Nierensteine sein, wie Manoj Monga von der Universität von Minnesota in Minneapolis befürchtet. Der Urologe hat 24 Patienten 90 Tage nach dem bariatrischen Eingriff untersucht. Bei allen stieg nach der Operation die Ausscheidung von Oxalsäure mit dem Urin deutlich an. Bei jedem vierten wurde das Löslichkeitsprodukt von Kalziumoxalat überschritten.

Nierensteine sind dann nur noch eine Frage der Zeit. Monga fordert deshalb dringend Studien, um diese Spätfolgen der Operation besser zu erkennen und nach Möglichkeit zu vermeiden. © rme/aerzteblatt.de

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