Medizin

Können Gestagene Brustkrebs fördern? – Keine Entwarnung für die Hormone

Mittwoch, 2. Juli 2008

Berlin – Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hält eine Neubewertung der Arzneimittelsicherheit von Gestagenen für notwendig und sieht dringenden Forschungsbedarf: Es sei zu früh für die Entwarnung, Gestagene hätten keine malignomfördernde Wirkung. Im Gegenteil: Es gebe Hinweise für ein tumorförderndes Potenzial. 

In der neuesten Ausgabe des Bundesgesundheitsblatts (Bundesgesundheitsbl-Gesundheitsforsch-Gesundheitsschutz 2008; 7: 782-6) macht Cecylia Giersig, Sachgebietsleiterin Endokrinologie, Diagnostik und Pharmakovigilanz eine Gesamtschau über die wichtigsten experimentellen, klinischen und epidemiologischen Daten.

Sie kommt zu dem Schluss, dass die „Unbedenklichkeitsvermutung“ von Gestagenen in Bezug auf Krebs dazu geführt haben, die Spur des wissenschaftlichen Zweifels nicht konsequent verfolgt zu haben, welcher aufgrund widersprüchliche oder unzureichender Daten vor allem zur Gestagenmonotherapie bestand.

Dass das BfArM ein Interesse an der Klärung hat, macht BfArM-Präsident Johannes Löwer in einem Editorial deutlich: Das Arzneimittelrisiko von Gestagenen sei möglicherweise nicht ausreichend qualitativ und quantitativ beschrieben. „Es handelt sich dabei um ein Risiko, das herausragende Bedeutung für die Anwenderinnen … hat, falls sich aus einer neuen Bewertung für Gestagen-only-Kontrazeptiva ein höheres Brustkrebsrisiko als für kombinierte hormonelle Kontrazeptiva ergeben würde.“ 

Giersig führt als Indizien für eine potenzielle malignomfördernde Wirkung von Gestagenen unter anderem auf, dass

  • Gestagene im Tierversuch das Wachstum von Hormonrezeptor-positiven Mammakarzinomen stark ankurbeln
  • Antiprogesterone wiederum die Reaktivierung solcher Tumore unterdrücken
  • Sich Progesteronmetabolite als potente Regulatoren der Zellproliferation, der Adhäsion und der Apoptose erwiesen haben,
  • der Verdacht eines erhöhten Brustkrebsrisikos im Zusammenhang mit der Hormontherapie erst manifest wurde, nachdem Gestagene auf regulärer Basis zum Schutz des Endometriumkarzinoms aufgenommen wurden und
  • dass unter den Spontanmeldungen zu unerwünschten Arzneimittelwirkungen in Deutschland wesentlich mehr Brustkrebsfälle bei Gestagenmonotherapie sind als unter der – häufigeren – Kombinationstherapie.

Nun sollen neue epidemiologische Studien sollen Klärung bringen. Millionen Frauen nahmen und nehmen Gestagene, oft über Jahre, Sie standen bislang kaum im Verdacht, das Wachstum von Mammakarzinomen auszulösen oder zu fördern, im Gegenteil. Seit sich herausstellte, dass die Östrogenmonotherapie als Hormonersatz mit einer erhöhten Inzidenz an Endometriumkarzinomen assoziiert ist, wird Östrogen bei Frauen mit erhaltener Gebärmutter mit Progestin kombiniert. © nsi/aerzteblatt.de

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