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Lungenkrebs: Gentest auf zirkulierende Tumorzellen im Blut

Donnerstag, 3. Juli 2008

Boston – Ein neu entwickeltes Diagnosegerät spürt nicht nur zirkulierende Tumorzellen im Blut auf, es erlaubt auch eine genetische Untersuchung derselben. Der CTC-Chip erwies sich in einer Pilotstudie im New England Journal of Medicine (2008; doi: 10.1056/NEJMoa0800668) als zuverlässig und könnte zur Verlaufskontrolle bei Krebserkrankungen, etwa beim nicht klein-zelligen Bronchialkarzinom (NSCLC), eingesetzt werden.

Der Rezeptor des epidermalen Wachstumsfaktors (EGFR) ist ein vielversprechender Ansatzpunkt in der Krebstherapie. Der Antikörper Cetuximab (Erbitux®) und die Tyrosinkinaseinhibitoren Erlotinib (Tarceva®), Gefitinib (Iressa®) und Lapatinib (Tyverb®) greifen hier an. Diese zielgerichtete Therapie (targeted therapy) wirkt allerdings nicht bei allen Patienten, da nicht alle Tumoren das Ziel EGFR exprimieren.

Außerdem gibt es Tumoren, die im Verlauf einer Therapie durch Mutationen in EGFR eine Resistenz entwickeln. Ein Gentest auf EGFR-Mutationen könnte hier hilfreich sein. Diese Tests könnten bereits am Primärtumor durchgeführt werden. Bei einigen Krebserkrankungen wie dem NSCLC sind Gewebeproben nur schwer verfügbar, da Feinnadelbiopsien in der Lunge sind nur unter Gefährdung des Patienten möglich sind. Genau hier sehen Daniel Haber vom Massachusetts General Hospital Cancer Center in Boston und Mitarbeiter ein Einsatzgebiet ihres CTC-Chips. 

In einer Pilotstudie wurden 27 Patienten mit metastasiertem NSCLC untersucht. Bei allen wurden zirkulierende Tumorzellen in den Blutproben nachgewiesen. Die Konzentrationen lag zwischen fünf und 771 Zellen pro Milliliter. Einige dieser Zellen wurden dann genetisch untersucht und bei elf von zwölf Patienten konnten die Forscher die EGFR-Muationen nachweisen, die ein mögliches Ansprechen der Therapie anzeigen.

Mehr noch: Bei einigen Patienten konnte auch die Resistenz-Mutation (T790M) im EGFR-Gen gefunden werden, die ein Versagen der Therapie mit Tyrosinkinaseinhibitoren zur Folge haben. Mit dem CTC-Chip könnte mithin nicht nur die Frage geklärt werden, ob ein Patient für eine Therapie mit Tyrosinkinaseinhibitoren infrage kommt. Durch serielle Untersuchungen könnte auch der günstigste Zeitpunkt für einen Wechsels auf andere Therapien (sofern vorhanden) gefunden werden.

Ob sich diese Erwartungen jedoch erfüllen werden, müssen weitere klinische Studien zeigen. Die Erfahrung lehrt, dass in der Onkologie eine technische Innovation nicht automatisch auch ein medizinischer Fortschritt ist. So hat sich der Nachweis von zirkulierenden Tumorzellen, der bei Patienten mit Mammakarzinom und Kolorektalkarzinom seit einigen Jahren möglich ist, bisher nicht für das Staging durchsetzen können.

Es zeigte sich, dass Tumorzellen im Blut nicht gleichbedeutend mit der Etablierung von Metastasen sind, und eine Abschätzung des Risikos häufig auch mit weniger hoch technisierten Methoden besser und kostengünstiger möglich ist. © rme/aerzteblatt.de

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