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Mausmodell des plötzlichen Kindstods

Freitag, 4. Juli 2008

Monterotondo – Die Hypothese, dass ein Mangel an Serotonin-Rezeptoren im Hirnstamm die Ursache des plötzlichen Kindstod (SIDS) ist, wird durch ein Tiermodell bestärkt, das Grundlagenforscher in Science (2008; 321: 130-133) vorstellen.

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Serotonin ist nicht nur an der Pathogenese von Depressionen und Angsterkrankungen beteiligt. Der Neurotransmitter hat im Gehirn sehr vielfältige Aufgaben. Dazu gehört auch die Regulierung von Körpertemperatur und Herzschlag. Sie erfolgt im Stammhirn über sogenannte 5-HT-1A-Rezeptoren, einer von 14 bekannten Bindungsstellen für Serotonin. Vor einiger Zeit hatte die Pathologin Hannah Kinney von der Kinderklinik Boston im Stammhirn von Kindern, die an SIDS starben, einen relativen Mangel an 5-HT-1A-Rezeptoren nachgewiesen (JAMA 2006; 296: 2124-2132). 

Um diese Hypothese zu prüfen, haben der Biologe Cornelius Gross und Mitarbeiter vom European Molecular Biology Laboratory in Monterotondo in Italien jetzt ein Mäusemodell entwickelt. Bei den Tieren wurde – paradoxerweise durch eine vermehrte Expression von 5-HT-1A-Rezeptoren – ein Mangel von Serotonin im Hirnstamm erzeugt. Die Tiere waren nach der Geburt zunächst unauffällig. Herzschlag und Körpertemperatur waren normal. 

Sporadisch kam es jedoch zu schweren Bradykardien und Hypothermien. Diese Episoden verliefen häufig tödlich. Etwa ein Drittel der Versuchstiere stirbt in den ersten Lebensmonaten. Wie bei SIDS war für die Forscher keine Todesursache erkennbar. Als die Forscher Herzfrequenz und Temperatur der Tiere kontinuierlich aufzeichneten, stellten sie fest, dass die Krisen meisten durch eine Bradykardie ausgelöst wurden, danach folgte die Hypothermie und eventuell der Tod. 

Viele Ereignisse traten beim Übergang von Schlaf- auf den Wachzustand auf, was gut zu dem SIDS passt, da die meisten Kinder morgens tot im Bett aufgefunden werden. Die Forschungsergebnisse lassen jedoch vermuten, dass es weitere Trigger gibt. Interessanterweise ließen sich die Todesfälle durch die Gabe des Antibiotikums Doxycyclin oder aber durch eine kontinuierliche Infusion von WAY100635 verhindern. Wie der Serotonin-Antagonist WAY100635 die Todesfälle, die ja durch einen Serotonin-Mangel verursacht werden, verhindern kann, ist noch offen.

Sicher ist, dass die Ergebnisse der tierexperimentellen Forschung derzeit noch nicht auf den Menschen übertragen werden können. Mit der Entwicklung eines Tiermodells ist jedoch eine wichtige Voraussetzung für das Studium der Erkrankung geschaffen worden, die lange Zeit nur als ein epidemiologisches Phänomen fassbar war. © rme/aerzteblatt.de

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