| dpa |
Berlin – Die Deutschen sind einer Studie zufolge bereit, für umfangreichere individuelle Leistungen im Gesundheitswesen mehr zu bezahlen. Bei einer Umfrage unter 1.000 Versicherten im Auftrag der Unternehmensberatung Roland Berger, die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde, plädierten 93 Prozent dafür, vom Standardangebot abzuweichen und Tarife mit zusätzlicher oder eingeschränkter Leistung zu wählen. Gemeint sind damit eine Grundversorgung mit geringeren Beiträgen und entsprechenden individuellen Zusatzversicherungen etwa für Sehhilfen oder Zahnersatz.
Die Versicherten „wollen ein anderes Gesundheitsangebot“, sagte Joachim Kartte, verantwortlich für Gesundheit bei der Beratungsfirma. Dafür seien die Menschen auch bereit, mehr zu bezahlen. Viele Menschen könnten sich etwa neue Dienstleistungen wie einen Gesundheitsberater vorstellen, der in der Arztpraxis über Prävention aufklärt. Ärzten rieten die Unternehmensberater, sich Präventionsberater in die Praxen zu holen. Durch gezielte Präventionsberatung beim Arzt des Vertrauens könne viel Geld gespart werden, unterstrich Kartte. Da es derzeit das Berufsbild „Präventionsberater“ noch nicht gebe, müssten neue Ausbildungs- und Studiengänge geschaffen werden.
Die Mehrheit wäre der Umfrage zufolge auch bereit, die eigene Wohnung zum Gesundheitsstandort ausrüsten zu lassen, sodass medizinische Daten wie Blutdruck oder Gewicht bequem zuhause gemessen und an eine Kontrollstation übermittelt werden könnten – ohne Arztbesuch.
Das Gesundheitswesen wandele sich immer mehr zum Gesundheitsmarkt, sagte Kartte weiter. Die Krankenkassen würden durch ihre Einkaufsmacht mächtiger und „holen durch strategische Einkaufspolitik weitere Effizienz heraus“. Auch die Leistungsanbieter wie Praxen, Kliniken oder ambulante Dienste handelten zunehmend unternehmerisch, der Markt würde transparenter.
er zweite, privat finanzierte Gesundheitsmarkt zum Beispiel für Wellness-Produkte, Fitness oder Gesundheitsreisen wachse ständig weiter. In diesem Jahr voraussichtlich um sechs Prozent aus 64 Milliarden Euro. © ddp/MM/aerzteblatt.de
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