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Krankenhaus der Zukunft: Ökonomisierung hat Grenzen

Freitag, 11. Juli 2008

Berlin – Das Krankenhaus als Wirtschaftsbetrieb ist nicht länger Fiktion. Das Krankenhaus gleicht bereits einem wirtschaftlich handelnden Unternehmen. Darauf hat Eckhard Nagel, Leiter des Instituts für Wirtschaftsmanagement und Gesundheitswissenschaften an der Universität Bayreuth, im Rahmen der Tagung „Das Krankenhaus der Zukunft“ in Berlin aufmerksam gemacht. Doch die zunehmende Ökonomisierung im Gesundheitswesen, insbesondere in der stationären Versorgung, stößt an Grenzen, betonte der Arzt und Ethikexperte.

Die wachsenden Herausforderungen, denen sich die Kliniken zu stellen haben, „verdrängen die Freude über die erfolgreiche Behandlung von kranken Menschen“, unterstrich Nagel. Ein klares Arztbild gebe es nicht mehr, der Patient gleiche zunehmend einem Kunden. Insbesondere die Einführung der Fallpauschalen im Jahr 2003 habe dazu beigetragen, den „Fall“ in den Mittelpunkt zu stellen,  nicht länger den Patienten. Wofür früher Begriffe wie Kollege und Mitarbeiter standen, verwende man heute Begriffe  wie „Konkurrent“ oder „Humankapital“.

Nagel zeigte sich gleichzeitig davon überzeugt, dass die Theorie vom stetig wachsenden Gesundheitsmarkt falsch ist. Schließlich würden die Menschen nur dann immer mehr Geld für das Gesundheitswesen ausgeben, wenn sie tatsächlich etwas zurückbekämen. Das ist dem Leiter des Zentrums für Transplantationsmedizin in Augsburg zufolge jedoch nicht der Fall.
Erst diese Woche hatte die Unternehmensberatung Roland Berger eine Studie vorgestellt, deren Ergebnissen zufolge der privat finanzierte Gesundheitsmarkt stetig weiter wächst. Auch an eine stetige Privatisierung des Krankenhaussektors glaubt Nagel nicht. Die Trägerschaft der Kliniken habe sich zwar in den letzten Jahren verändert. Es werde aber bei einem „vernünftigen Mix aus privaten und staatlichen Krankenhäusern“ bleiben. Schließlich sei der Kostendruck für alle Träger gleich. © MM/aerzteblatt.de

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