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US-Chirurg DeBakey stirbt mit 99 Jahren – Pionier der Bypass-Operation

Montag, 14. Juli 2008

Michael Ellis DeBakey im Alter von 94 Jahren /dpa

Houston – In einer Klinik in Houston ist Michael Ellis DeBakey, einer der Pioniere der modernen Gefäßchirurgie, im Alter von 99 Jahren gestorben. DeBakey hat unter anderem die Bypass-Operation entwickelt und sie zuletzt bei dem russischen Präsidenten Jelzin veranlasst.

DeBakey war Sohn libanesischer Maroniten, deren Eltern in den französischsprachigen Teil des Staates Louisiana („Cajun“) ausgewandert waren. Er studierte an der Tulane Universität in New Orleans und verbrachte nach der Promotion im Jahr 1932 einige Zeit in Europa, was damals sehr förderlich für die Karriere von US-Medizinern war. Außer in Straßburg arbeitete er unter Martin Kirschner (Namensgeber der Kirschner-Drähte) in Heidelberg. Noch vor Kriegsausbruch kehrte er an die Tulane Universität zurück.

Im Zweiten Weltkrieg war er als Militärchirurg tätig. Er war dort an der Entwicklung der Feldlazarette beteiligt, den “mobile army surgical hospitals”, deren Abkürzung MASH später Gegenstand eines Romans, dann eines Kinofilms und schließlich einer langjährigen Sitcom war. Im Jahr 1948 wechselte DeBakey an das Baylor College of Medicine in Houston, deren Leiter (erst als “president”, dann als “chancellor”) er bis zur Emeritierung 1996 war (im Alter von damals 87 Jahren!). 

Der Chirurg DeBakey soll während seiner beruflichen Laufbahn mehr als 60.000 Operationen durchgeführt haben. Zu seinen Patienten zählten dem Vernehmen nach Mohammed Reza Pahlevi (der letzte Schah von Persien); der Herzog von Windsor (infolge einer Affäre nur sehr kurzzeitig King Edward VIII), die Schauspielerin Marlene Dietrich, der Boxer Joe Louis und der Komödiant Jerry Lewis. Zuletzt leitete DeBakey 1996 ein internationales Operationsteam, das bei dem damaligen Präsidenten Russlands, Boris Jelzin, eine Bypass-Operation durchführte.

DeBakey hatte auch im kalten Krieg keine Berührungsängste zum „Reich des Bösen“ gehabt. Etwa 20 Mal soll er in Moskau Vorträge gehalten haben, weshalb Nixon ihn als Staatsfeind betrachtete, was aber nicht verhinderte, dass DeBakey mehreren US-Präsidenten, darunter auch Reagan, als Berater diente.

Seinen Ruhm verdankte er indes weder der Arbeitswut, noch den berühmten Patienten oder seiner politischen Unabhängigkeit, sondern einiger Fortschritte auf dem Bereich der Herzkreislaufchirurgie. Bereits im Alter von 23 Jahren erfand DeBakey eine peristaltische Pumpe, die 20 Jahre später zum Kernbestandteil der Herz-Lungen-Maschine werden sollte.

1953 führte DeBakey die erste erfolgreiche Carotis-Endarteriektomie durch. Als erster Chirurg verwendete er Gefäßprothesen aus Dacron, die erstmals die Exzision und Reparatur von aortalen Aneurysmata erlaubte. Eine Klassifikation für Aortendissektionen ist nach DeBakey benannt (nebst einer Gefäßklemme und Coronarpinzette für Bypassoperationen, einem Kunstherz und einigen US-Kliniken).

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Im Jahr 1964 folgte dann seine wichtigste Innovation, die erste aortokoronare Bypass-Operation mit einem Venentransplantat. 1966 setzte DeBakey erstmals ein linksventrikuläres Unterstützungssystem ein. Spektakulär war auch eine Organtransplantation, bei der 1968 Organe eines Spenders (Herz, Nieren und eine Lunge) an vier Empfänger übertragen wurden.

Im Februar 2006 musste sich DeBakey wegen einer Aortendissektion einer von ihm selbst entwickelten Operation, der „DeBakey Procedure“, unterziehen, die er übrigens verweigert hatte. Sie wurde, als er bewusstlos war, gegen seinen Willen durchgeführt und erfolgreich abgeschlossen. Im September 2006 wurde DeBakey nach einem längeren komplizierten Verlauf aus der Klinik entlassen. 

DeBakey verfasste während seiner beruflichen Tätigkeit mehr als 1.400 wissenschaftliche Artikel und mehrere Bücher, darunter zwei Bestseller: “The Living Heart Diet” (deutsch: Die DeBakey - Herzdiät) und “The New Living Heart Diet”. Er hat mehr als 1.000 Chirurgen ausgebildet. Nicht alle sollen ihn geliebt haben. DeBakey war für seine Perfektion und sein aufbrausendes Temperament berüchtigt. Es soll schon einmal Mitarbeiter wegen kleinerer Fehler am OP-Tisch entlassen haben.

Mit einem seiner Schüler, den späteren Herzchirurgen Denton Cooley, der 1969 erstmals ein Kunstherz implantierte, verband ihn eine fast 40-jährige Feindschaft. Erst 2007 sollen sich die beiden Rivalen versöhnt haben. Am 7. September wäre DeBakey hundert Jahre alt geworden. © rme/aerzteblatt.de

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