Seltene Lymphome unter der Therapie mit Humira
Mittwoch, 16. Juli 2008
Wiesbaden – Unter der Therapie mit dem TNF-Blocker Adalimumab (Humira®) kann es zur Entwicklung von seltenen Non-Hodgkin-Lymphomen kommen. Dem Hersteller sind seit Zulassung im Dezember 2002 drei Fälle eines hepatosplenalem T-Zell-Lymphoms (HSTCL) gemeldet worden.
Adalimumab gehört zu der wachsenden Zahl von Medikamenten, die den Tumornekrosefaktor (TNF) alpha hemmen. In Deutschland ist Humira für die Behandlung von rheumatoider Arthritis, Psoriasis-Arthritis, ankylosierender Spondylitis, Morbus Crohn und Plaque-Psoriasis zugelassen.
TNF alpha ist nicht nur in der Pathogenese systemischer entzündlicher Erkrankungen von zentraler Bedeutung, er ist auch ein wichtiges Zytokin der körpereigenen Immunabwehr gegen Tumoren. Dass die daraus abgeleiteten Bedenken nicht ganz unberechtigt sind, zeigte vor zwei Jahren eine im US-amerikanischen Ärzteblatt publizierte Meta-Analyse (JAMA 2006; 295: 2275-85).
Die Autoren kamen aufgrund einer Analyse von neun kontrollierten klinischen Studien zu dem Schluss, dass das Risiko des Auftretens von bösartigen Neubildungen verdreifacht war. Diese Analyse stieß zwar auf Kritik. Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) wies beispielsweise darauf hin, dass die aktuellen Dosierungen bei rheumatischen Erkrankungen heute deutlich geringer sind, als in den der Meta-Analyse zugrunde liegenden Studien. An den prinzipiellen Risiken der Therapie besteht jedoch kein Zweifel.
Wie es scheint, sind Jugendliche und junge Erwachsene besonders gefährdet. Anfang Juni 2008 kündigte die amerikanische Zulassungsbehörde FDA eine Überprüfung der TNF-Blocker an. Anlass waren 30 Fälle von Lymphomen und anderen Krebserkrankungen, die bei Kindern und Jugendlichen nach dem Einsatz der Medikamente Remicade®, Enbrel®, Humira® und Cimzia® (in Deutschland als Pegol® vor der Zulassung) aufgetreten waren.
Jetzt teilt der Hersteller von Humira mit, dass unter der Therapie mit Adalimumab drei Fälle einer seltenen Variante des Non-Hodgkin-Lymphoms aufgetreten sind. Die drei Patienten, darunter zwei junge Männer, erkrankten an einem hepatosplenalen T-Zell-Lymphom (HSTCL). Dieses Lymphom tritt am häufigsten bei männlichen Jugendlichen und jungen Männern auf. Die Prognose liegt bei weniger als zwei Jahren mittlerer Überlebenszeit.
Der Hersteller bittet die Ärzte auf mögliche weitere Erkrankungen zu achten. Ein HSTCL solle als Differentialdiagnose in Betracht gezogen werden, wenn ein Patient unter der Behandlung mit Humira Lymphomsymptome oder eine Hepatosplenomegalie entwickelt, sowohl ohne als auch mit peripherer Lymphadenopathie oder signifikanter Lymphozytose im peripheren Blut.Es bleibt abzuwarten, ob es zu weiteren Meldungen kommt und ob auch die anderen TNF-Blocker betroffen sind. © rme/aerzteblatt.de
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