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Gene entscheiden über Ansprechen von Antidepressiva

Mittwoch, 16. Juli 2008

Rochester – Ob Patienten mit Major-Depression unter einer Behandlung mit dem selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) Citalopram eine Remission erzielten, war einer Studie im American Journal of Medical Genetics Part B (2008; doi: 10.1002/ajmg.b.30816) zufolge von Varianten in einem Transporter-Gen für Serotonin abhängig. 

Ein Mangel an Serotonin ist für die Pathogenese der Depression von zentraler Bedeutung. SSRI wirken ihm entgegen, indem sie die Konzentration von Serotonin im synaptischen Spalt steigern. Eine gegenteilige Auswirkung hat SLC6A4. Es handelt sich dabei um einen Transporterprotein in der präsynaptischen Membran, das Serotonin wieder in die Nervenzelle zurücktransportiert. Genetische Varianten von SLC6A4 könnten diesen Rücktransport schwächen und damit die Wirkung der SSRI verstärken.

Auf diese Weise ließen sich die Ergebnisse der Studie von David Mrazek von der Mayo-Clinic in Rochester plausibel erklären. Der Forscher hat die DNA von 1.914 Teilnehmern der „Sequenced Treatment Alternatives to Relieve Depression“ oder STAR*D-Studie analysiert. Diese Studie sucht nach Möglichkeiten, die hohe Versagerrate bei der SSRI-Behandlung zu senken. Denn weniger als die Hälfte aller Patienten erzielt mit dem ersten Wirkstoff bereits ein befriedigendes Ergebnis.

Eine mögliche Erklärung könnte in den genetischen Varianten, etwa in SLC6A4, zu suchen sein. Mrazek konnte zeigen, dass bestimmte Varianten in SLC6A4 die Chancen auf einen Therapieerfolg deutlich erhöhen. Dies war allerdings nur bei Weißen nordeuropäischer Herkunft der Fall. Mit einem Test auf SLC6A4-Varianten könnte die Behandlung der Depression in Zukunft weniger als bisher dem Werfen einer Münze gleichen, hofft Mrazek, der die Einführung eines derartigen Tests für die nächsten zwei Jahre voraussagt.

Ob dieser Optimismus berechtigt ist, bleibt abzuwarten. Wahrscheinlich gibt es neben der jetzt entdeckten Variante von SLC6A4 noch weitere. Mit jeder neuen Assoziation dürfte die Komplexität und damit der Preis eines prädiktiven Tests steigen. Am Ende könnte es am günstigsten sein, wie in der STAR*D vorgeführt, die einzelnen Medikamente systematisch durchzuprobieren, bis das für den Patienten passende gefunden wurde. © rme/aerzteblatt.de

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