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Meta-Analyse: Selbstuntersuchung der Brust wenig hilfreich

Mittwoch, 16. Juli 2008

Kopenhagen – Die Meta-Analytiker vom Nordic Cochrane Centre sorgen wieder für Aufregung. In Cochrane Database of Systematic Reviews kommen Peter Gøtzsche und Jan Peter Kösters zu dem Ergebnis, dass die monatliche Selbstuntersuchung der Brust durch die Frau nur zu einem Anstieg der Biopsien, nicht aber zur vermehrten Früherkennung von Mammakarzinomen oder gar zur Senkung der Brustkrebssterblichkeit führt. 

Gøtzsche ist bekannt für seine Ablehnung der Mammografie. In seiner letzten Meta-Analyse räumte er zwar erstmals ein, dass die Mammografie die Sterblichkeit am Brustkrebs senkt. Dem stünde jedoch eine größere Zahl durch die Mammografie veranlasster unnötiger Therapien gegenüber – gemeint ist die Entfernung von Carcinomata in situ, aus denen sich nur selten ein Brustkrebs entwickele.

Auch die monatliche Selbstuntersuchung der Frau – für die Deutsche Gesellschaft für Senologie eine Selbstverständlichkeit – hält Gøtzsche für kontraproduktiv. Er beruft sich dabei auf zwei bevölkerungsbasierte Studien mit 388.535 Teilnehmerinnen, die in Russland und China durchgeführt wurden. Beide Studien hatten die Selbstuntersuchung mit dem Verzicht darauf verglichen.

In der russischen Studie hatte die Selbstuntersuchung zu einem Anstieg der entdeckten Tumore um 24 Prozent geführt (Relatives Risiko 1,24; 95-Prozent-Konfidenzintervall: 1,09-1,41), während in China sogar weniger Tumoren entdeckt wurden als in der Kontrollgruppe (Relatives Risiko 0,97; 0,88-1,06). Die Brustkrebssterblichkeit wurde in der gemeinsamen Analyse der beiden Studien, nicht gesenkt.

Dafür stieg die Zahl der Biopsien. Sie wurden bei 3.406 Frauen, die sich selbst untersuchten, aber nur bei 1.856 Frauen in der Kontrollgruppe durchgeführt (Relatives Risiko 1,88; 1,77-1,99). Eine dritte Studie, in der neben der Selbstuntersuchung auch eine regelmäßige Untersuchung durch den Arzt stattfand, konnte nicht in die Analyse einbezogen werden. Die Studie musste wegen mangelndem Interesse an den Nachuntersuchungen abgebrochen werden. 

Gøtzsche und Kösters fordern, dass die Frauen über die negativen Ergebnisse der Studien informiert werden. Die Ablehnung der Selbstuntersuchung bedeutet für sie indes nicht, dass die Frauen nicht auf Veränderungen ihrer Brüste achten sollten. Die beiden Autoren empfehlen eine “Breast awareness”, wie sie auch die britische Stiftung Breakthrough Breast Cancer vorschlägt.

Unter dem Stichwort TouchLookCheck (TLC) wird den Frauen zu einer weniger rigorosen Selbstuntersuchung geraten. Dass diese Form der Früherkennung allerdings am Rückgang der Brustkrebssterblichkeit in einigen Ländern beteiligt ist, wie die nordischen Cochrane Meta-Analytiker mutmaßen, müsste genau genommen noch durch Studien belegt werden. © rme/aerzteblatt.de

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