New York – Chirurgen am Presbyterian Hospital in New York haben dieser Tage eine Gallenblase entfernt, ohne die Bauchdecke auch nur zu berühren. Im Frühjahr führten kalifornische Chirurgen eine Appendektomie mit einem über den Mund eingeführten Endoskop durch. Auch deutsche Chirurgen bereiten sich auf derartige NOTES-Eingriffe vor.
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NOTES ist die Abkürzung für „Natural Orifice Translumenal Endoscopic Surgery“. Bei diesem neuen minimalinvasiven Operationsverfahren erfolgt der Zugang zu abdominalen Organen über natürliche Körperöffnungen wie zum Beispiel den oberen Magen-Darm-Trakt, das Rektum oder die Vagina.
NOTES-Eingriffe sind eine Weiterentwicklung der minimalinvasiven Chirurgie, die an der Bauchwand nur kleine Narben hinterlässt, die von den Inzisionen der laparoskopischen Instrumente herrühren. Nach NOTES-Eingriffe bleiben dagegen überhaupt keine sichtbaren Narben und nach Auskunft der NOTES-Chirurgen ist der Eingriff auch weniger schmerzhaft. Ob dies zutrifft, konnte bisher kaum überprüft werden, da die meisten NOTES-Eingriffe an Tieren erprobt wurden. Seit dem letzten Jahr wurden vereinzelt auch Patienten operiert.
Die ersten Medienberichte kommen aus den USA. Dort wurden im letzten Jahre erstmals Cholecystektomien über einen transvaginalen Zugang durchgeführt, so auch am Presbyterian Hospital an der Columbia Universität in New York. Die Eingriffe waren jedoch nicht wirklich narbenlos, da sie unter Kontrolle mehrerer laparoskopisch eingeführter Sichtgeräte durchgeführt wurden.
Jetzt wagte das Chirurgenteam um Marc Bessler den Eingriff erstmals ohne laparoskopische Unterstützung. Die Gallenblase wurde mithilfe eines speziellen Endoskops entfernt, das über einen etwa einen Zoll langen Schnitt in der hinteren Vagina in den Peritonealraum eingeführt wurde. Die Chirurgen drangen auf diese Weise bis zur Gallenblase vor und entfernten diese in einer dreistündigen ambulanten Operation.
Noch spektakulärer war der Eingriff, den Mark Talamini von der Universität von Kalifornien in San Diego Mitte März bei einem 42-jährigen Patienten mit akuter Appendizitis durchführte und der in den US-Medien viel Beachtung fand. Die Chirurgen öffneten mit einem speziellen Endoskop die Magenwand und arbeiteten sich bis ins untere Abdomen vor.
Auch diese Appendektomie hinterließ keine Narben auf der Bauchdecke. Der Appendix wurde allerdings nicht durch den Mund entfernt, wie die US-Medien berichteten. Die Bergung erfolgte durch eine kleine Inzision im Bauchnabel, sodass die Operation nicht vollständig die NOTES-Kriterien erfüllte.
Auch in Europa werden NOTES-Operationen durchgeführt. Im September letzten Jahres berichteten Jacques Marescaux und Mitarbeiter von der Universität Straßburg von einer ersten transvaginalen Cholecystektomie (Archives of Surgery 2007; 142: 823-827). Auch dieser Eingriff war, wenn man von einer Inzision zur Insufflation von Gas in den Peritonealraum absieht, eine narbenlose Operation.
Im Februar hat die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) ein NOTES-Register eingerichtet. Die DGAV möchte damit vermeiden, dass die Fehler, die bei der Einführung der minimalinvasiven Chirurgie gemacht wurden, wiederholt werden. Die Operationen breiteten sich damals „wie ein Flächenbrand“ ohne wissenschaftliche Begleitforschung aus, was dazu führte, dass eine hohe Komplikationsrate aufgrund ungenügender Erfahrung und Übung die Operationstechnik zeitweise in Misskredit brachte.
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