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Ethikrat macht Ernährung zum Thema

Donnerstag, 31. Juli 2008

Berlin – Der Deutsche Ethikrat will sich intensiver mit Aspekten der Ernährung befassen. Genauer: mit den Hintergründen von zunehmender Mangel- und Fehlernährung in Deutschland und der Frage, ob Hartz-IV-Regelsätze für eine gesunde Ernährung von Kindern ausreichen. Das beschloss der Rat bei seiner jüngsten Sitzung am 24. Juli und gab damit erstmals überhaupt einem Thema jenseits der Biopolitik oder Medizinethik den Zuschlag.

Das kommt insofern nicht überraschend, als der Vorsitzende Edzard Schmidt-Jortzig im April nach der konstituierenden Sitzung betont hatte, das Nachfolgegremium des Nationalen Ethikrates wolle auch allgemeine gesellschaftliche Themen bearbeiten. Trotzdem birgt diese erweiterte Perspektive Potenzial für Kontroversen, falls es einmal um andere Themen jenseits der Lebenswissenschaften – etwa die Atomenergie – geht.

Der Bayreuther Mediziner Eckhard Nagel hatte vor der Entscheidung über Mangelernährung in Industriestaaten, globale Ernährungskrise und künstliche Ernährung am Lebensende referiert. Nagel, auch evangelischer Präsident des Ökumenischen Kirchentages 2010, wies auf eine eklatante Häufung von Fehl- und Mangelernährung in reichen Ländern hin. In Deutschland hätten Kinder aus armen Familien ein deutlich höheres Übergewichtsrisiko. Eine gesunde Ernährung von Kindern sei mit den aktuellen Hartz-IV-Sätzen kaum bezahlbar. Schon die Kosten für Mittagessen in Schule oder Kita lägen über den Regelsätzen.

In der Aussprache zeichnete sich rasch ein klares Votum für die Ernährungssituation in Deutschland ab. Die globale Ernährungskrise war dem Ethikrat ein realistischerweise zu großer Schuh. Die künstliche Ernährung am Lebensende hatte bereits seinerzeit der Nationale Ethikrat im Rahmen seiner Beratungen zu Patientenverfügungen diskutiert. © kna/aerzteblatt.de

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