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Ärzte befürchten Mittelkürzungen in der Prävention

Freitag, 1. August 2008

Berlin – Eine deutliche Verminderung der Mittel für Präventionsleistungen befürchten verschiedene ärztliche Berufsverbände. Anlass ist ein Rundschreiben des Bewertungsausschusses Ärzte an die Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) der Länder. Danach soll auf Initiative des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) die bisherige Bewertung der Präventionsleistungen abgesenkt und durch einen niedrigeren, sogenannten Orientierungspunktwert ersetzt werden.

„Die Pläne der Krankenkassen sind das genaue Gegenteil dessen, was von der Politik gefordert wird. Seit Jahren werden alle Anstrengungen unternommen, um die Menschen für die Gesundheitsvorsorge zu motivieren“, kritisierte Wolfram Hartmann, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ).

Bei den Kinder- und Jugendärzten habe die Politik in den meisten Bundesländern die Vorsorgeuntersuchungen der Kleinsten sogar zu Pflichtuntersuchungen hoch gestuft. „Und nun planen die Krankenkassen die Kürzung genau dieser Honorare, damit bedrohen sie nicht nur unsere wirtschaftliche Existenz, sie gefährden auch die gesundheitliche Entwicklung der nächsten Generation“, so Hartmann.

Negative Auswirkungen bei der Versorgung der jährlich mehr als 600.000 Schwangeren erwarten auch die Gynäkologen. „Deutschland hat ein weltweit einmaliges Betreuungssystem bei der Schwangerenvorsorge. Die intensive Betreuung der Frauen, die ein Kind erwarten, ist mit sehr viel Personal, medizinischen Einrichtungen und Aufwand verbunden. Sollten Honorare in der geplanten Art und Weise gekürzt werden, dann käme es auf Grund der notwendigen Kostenreduktion in der Praxis zu langen Wartezeiten und in der Konsequenz zu einer deutlich schlechteren Versorgung der Schwangeren in Deutschland“, warnte Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte (BVF).

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Für Wolf von Römer, hausärztlicher Internist und stellvertretender Vorsitzender des Berufsverbandes Deutscher Internisten (BDI), bedeuten die Planungen der Krankenkassen eine Kehrtwende bei der Gesundheitsreform. „Vorsorgen ist besser als Heilen – das war eine der Kernaussagen der Gesundheitsreform, die im vergangenen Jahr in Kraft getreten ist. Die Kassen selbst haben ihren Mitgliedern Bonuszahlungen versprochen, wenn sie regelmäßig zur Vorsorge gehen. Und den Ärzten, die diese Untersuchungen durchführen, soll zukünftig das Honorar dafür gekürzt werden? Das versteht doch niemand und deshalb muss dieser Unsinn schnellstens beendet werden, damit der Präventionsgedanke in diesem Land keinen Schaden nimmt“, sagte er.

Irritiert zeigten sich auch die Vertreter von Arztgruppen, deren bundesweite Präventionsprogramme gerade erst gestartet sind, zum Beispiel das Hautkrebsscreening. „Das ist absurd und den Hautärzten nicht vermittelbar. So wird ein gutes Präventionsprogramm bereits zu Beginn von den Kassen torpediert“, kritisierte Michael Reusch, Präsident des Berufsverbandes der Deutschen Dermatologen (BVDD).  © hil/aerzteblatt.de

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