Medizin

Lautstärke der Musik triggert Alkoholkonsum

Dienstag, 12. August 2008

dpa

Lorient – Barbesucher trinken bei lauter Beschallung mehr Alkohol in kürzeren Zeiträumen als bei leiser Musik. Das behaupten Wissenschaftler der Université de Bretagne-Sud nach einer entsprechenden Untersuchung. Sie publizierten ihre Ergebnisse online im Fachblatt „Alcoholism: Clinical & Experimental Research“, das ihre Studie in der Oktoberausgabe abdrucken wird (doi: 10.1111/j.1530-0277.2008.00764.x).

Betreiber von Geschäften, Cafés und Bars möchten über die Umgebung das Konsumverhalten der Kunden steuern. Demnach soll Musik in Geschäften den Kundendurchsatz, die Verkaufsvolumina oder die Produktwahl beeinflussen. Einer aktuellen Studie zufolge spielt zumindest in Bars nicht nur die Auswahl der Musik eine Rolle.

„Frühere Studien haben gezeigt, dass schnelle Musik zu schnellem Trinken führen kann und dass Musik Menschen dazu verleitet, länger in einer Bar zu bleiben, als es ohne Musik der Fall wäre“, berichtet der Autor Nicolas Guéguen von der Université de Bretagne-Sud. „Unsere Studie liefert erstmals einen experimentellen Zugang zur Untersuchung der Auswirkungen von lauter Musik auf den Alkoholkonsum.“

Die Wissenschaftler besuchten an drei Samstagen Bars in einer westfranzösischen Stadt und beobachteten das Verhalten der Besucher. In die Studie nahmen sie 40 Männer im Alter zwischen 18 und 25 Jahren ohne deren Wissen auf. Ein Aufnahmekriterium war, dass die Männer ein Glas gezapftes Bier (0,25 Liter) bestellten. In Abstimmung mit den Barbesitzern regulierten die Forscher die Lautstärke der Musik zwischen 72 Dezibel und 88 Dezibel. Hierbei wählten sie die Musikstücke aus der aktuellen Top-40-Liste.

Sie beobachteten die Studienpersonen nacheinander und veränderten die Musiklautstärke, sobald eine die Bar verließ und beobachteten ein neues. Es zeigte sich, dass Musik mit einem Schalldruckpegel von 88 Dezibel im Vergleich zu 72 Dezibel zu mehr Alkoholkonsum in kürzerer Zeit führt. Die Wissenschaftler führen dies darauf zurück, dass die Lautstärke die Barbesucher mehr anregt und dass sie aufgrund der Lautstärke weniger miteinander reden und dann stattdessen trinken.

Guéguen und Kollegen schätzen, dass in Frankreich jährlich 70.000 Menschen an den Folgen chronischen Alkoholkonsums sterben. Außerdem weisen sie auf die Verwicklung von Alkohol bei der Mehrheit fataler Verkehrsunfälle hin. „Wir konnten zeigen, dass die Hintergrundmusik in Bars mit dem Konsum von alkoholischen Getränken assoziiert ist“, sagte Guéguen: „Wir müssen daher einerseits Barbesitzer dazu anregen, die Musik in ihren Etablissements nur in moderater Lautstärke zu spielen. Anderseits sollten wir die Konsumenten darüber aufklären, dass laute Musik sie dazu verleitet, mehr zu trinken.“  © hil/aerzteblatt.de

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