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Ausgangszellen für das Medulloblastom entdeckt

Donnerstag, 14. August 2008

München – Medulloblastome bei Kindern entstehen offenbar aus sogenannten Körnerzellen. Das berichtet eine Arbeitsgruppe um Ulrich Schüller von der Ludwig-Maximilians-Universität München in der Zeitschrift Cancer Cell (2008; 14, 123-134 und 135-145).

Das Medulloblastom gehört zu den häufigsten und zu den bösartigsten Gehirntumoren bei Kindern und Jugendlichen. Die Kleinhirntumoren streuen leicht im Gehirn und im Rückenmarkskanal. Daher bilden sich in vielen Fällen Metastasen. Die Geschwulste wachsen sehr schnell, fast die Hälfte der Patienten erliegt langfristig dem Leiden. Die Prozesse, die zur Entstehung der Tumoren führen, waren bislang nicht im Detail bekannt.

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Bei ihren Forschungen erzeugten die Wissenschaftler gezielt genetische Veränderungen in verschiedenen Zellpopulationen im Gehirn von Mäusen und beobachteten, wie sich diese Mutationen auswirkten. „Alle unsere Untersuchungen haben gezeigt, dass sich Medulloblastome nur aus Körnerzellen und deren Vorläufern entwickeln können“, so Schüller. Andere Zellen, etwa die großen Purkinje-Zellen des Kleinhirns, wurden dagegen nicht tumorös.

Ihnen machten diese Mutationen offensichtlich nichts aus. Noch ein weiteres eindeutiges Ergebnis konnten die Forscher verzeichnen: Die genetischen Veränderungen lösten nur eine spezifische Art von Tumor aus: das Medulloblastom. Andere Hirntumoren, etwa Astrozytome oder Oligodendrogliome, entstanden dagegen nicht, obwohl die genetisch attackierten multipotenten Vorläufer sich auch zu Astrozyten oder Oligodendrozyten entwickeln können.

Besonders überraschend war, dass auch Mutationen in sehr frühen, unreifen Zellen entsprechende Veränderungen auslösten – die aber erst dann zu Tumoren entarteten, wenn sie die Prägung einer Körnerzelle erhalten hatten. Überrascht waren die Forscher außerdem darüber, dass die Medulloblastome sowohl morphologisch als auch molekularbiologisch vollkommen gleich aussahen – und zwar unabhängig davon, in welchem Entwicklungsstadium sie ausgelöst wurden.

Die Forscher konnten noch einen weiteren Faktor bei der Entstehung der Medulloblastome identifizieren: Das Olig2-Protein wurde bisher nur mit der Ausbildung von Gliazellen im Gehirn in Verbindung gebracht. „Wir haben Olig2 aber auch in Vorläufern der Körnerzellen des Kleinhirns und in Tumorzellen gefunden“, berichtet der Neuropathologe Schüller. „Wir hoffen, dass unsere Ergebnisse zu einer gezielten Therapie des Medulloblastoms beitragen werden“, sagte er. © hil/aerzteblatt.de

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