Politik

Pläne für Arbeitslose als Pflegeassistenten stoßen auf scharfe Kritik

Montag, 18. August 2008

Berlin – Pläne der Bundesagentur für Arbeit (BA), Langzeitarbeitslose für Pflegedienste einzusetzen, stoßen auf scharfe Kritik. Pflegeexperten sowie Politiker von SPD und FDP kritisierten das Vorhaben scharf. Der pflegepolitische Sprecher der Unionsfraktion, Willi Zylajew, sprach von einem „unseriösen PR-Spektakel“.

Dagegen sagte Unionsfraktionschef Volker Kauder der „Bild am Sonntag“: „Wenn die Menschen für diese Aufgabe qualifiziert sind, ist das in Ordnung." Nach dem neuen Pflegegesetz dürfen Heime für demenzkranke Bewohner zusätzliches Personal einstellen. Die Kosten werden von den Pflegekassen übernommen.

Die „Süddeutsche Zeitung“ hatte in ihrer Samstagsausgabe berichtet, die Arbeitslosen sollten nur eine Kurzausbildung erhalten. Ein Entwurf des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sehe 160 Stunden Unterricht und einige Praktika vor.

Von der Bundesagentur hieß es, es würden nur solche Arbeitslose für Fortbildungen ausgewählt, die in ihrem Lebenslauf einen Pflegeaspekt aufwiesen und für die Arbeit mit Alten und Kranken geeignet seien. Geplanter Start ist der 1. September. Derzeit würden überall Bewerberpools zusammengestellt. In Betracht kämen sowohl Arbeitslose als auch Langzeitarbeitslose. kritisierte Ein Sprecher der Deutschen Alzheimergesellschaft kritisierte, vergleichbare Lehrgänge in der Vergangenheit hätten 900 Stunden Schulung vorgesehen.

Die BA-Sachverständige Ursula Engelen-Kefer sagte, mehr als 30.000 Arbeitslose verfügten über eine entsprechende Ausbildung. Diese bräuchten keine Grundausbildung mehr, sondern müssten vielmehr im Umgang mit Demenzkranken geschult werden. Die Teilnehmer für Schulungen würden von der Bundesagentur „sorgfältig ausgesucht“.

Sie betonte, die Arbeitslosen würden zusätzlich eingestellt und ersetzten keine regulären Pflegekräfte. Unklar sei noch die tarifliche Einstufung der Pflegekräfte. Das Projekt dürfe jedoch an diesen Fragen nicht scheitern. „Es wäre bedauerlich, wenn diese guten Ansätze zerredet würden“, sagte Engelen-Kefer.

Gesundheitsstaatssekretär Klaus Theo Schröder versicherte, es werde keine „Billigpflege geben, sondern eine bessere Gesamtversorgung“.  „Ich halte nichts von diesem Vorschlag. Demenzkranke zu pflegen, ist physisch und psychisch eine sehr große Herausforderung. Im Interesse der Kranken und in ihrem eigenen Interesse müssen die Pflegenden eine sehr gute Ausbildung und Betreuung haben", sagte Sachsens Arbeitsminister Thomas Jurk (SPD) dazu der „Leipziger Volkszeitung“ vom Montag.

Josef Hille von der Alzheimer Gesellschaft Sachsen sprach im selben Blatt von einem „unüberlegten Schnellschuss von Leuten, die nichts mit der Pflege zu tun haben“.

„Der Wert der Pflege wird so gering eingeschätzt, dass nun Hilfskräfte eingesetzt werden sollen, die nach einem Kurzlehrgang auf die Menschen losgelassen werden sollen. Wer sich das ausdenkt, hat von Pflege und Menschlichkeit keine Ahnung", kritisierte auch der Bundesvorsitzende der Arbeiterwohlfahrt (AWO), Wilhelm Schmidt.

Er äußerte sich im Berliner „Tagesspiegel“ vom Montag empört über das Vorhaben. Auch Zylajew verlangte im „Tagesspiegel“, Pflegeassistenten müssten „gut ausgebildet und anständig bezahlt werden“. Kritik äußerte auch der Münchner Pflegeexperte Claus Fussek: „Man kann nicht jeden in so einen Beruf schicken“.

„Allein der Umstand der Arbeitslosigkeit ist keine Qualifikation für einen Pflegeberuf“, kritisierte FDP-Generalsekretär Dirk Niebel das Vorhaben in der „BamS“. Die Pflege alter und kranker Menschen sei „zu wichtig für eine solche arbeitsmarktstatistische Scharlatanerie“. © ddp/afp/aerzteblatt.de

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