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Versorgungsforschung: Schlechte Noten für den National Health Service

Montag, 18. August 2008

Norwich – Die Versorgungsqualität des National Health Service (NHS) für ältere Patienten lässt einer Studie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2008; 337; a957) zufolge zu wünschen übrig. Vor allem bei geriatrischen Erkrankungen werden Therapiestandards häufig nicht eingehalten. Eine leistungsbezogene Bezahlung könnte die Versorgung verbessern. 

Im Rahmen der English Longitudinal Study of Aging (ELSA) wird eine repräsentative Gruppe von Engländer im Alter von über 50 Jahren regelmäßig nach ihrem Gesundheitszustand befragt. In den Interviews werden detaillierte Angaben zu ärztlichen Untersuchungen und Behandlungen erhoben. Nicholas Steel von der Universität von East Anglia und Mitarbeiter haben die Daten der Beobachtungsstudie genutzt, um die Versorgungsqualität bei 13 häufigen Erkrankungen nach 39 Qualitätskriterien zu bewerten.

Die dafür angelegten Bewertungsmaßstäbe wurden von einem Expertengremium erstellt. Sie beinhalten beispielsweise eine jährliche HbA1c-Bestimmung bei Diabetikern, eine Urinuntersuchung bei anhaltender Harninkontinenz, die Behandlung von chronischen Schmerzen oder die antientzündliche Therapie bei Gelenkbeschwerden. 4.417 der 8.688 Teilnehmer von ELSA hatten mindestens eine der 13 Krankheiten. Von den 19.082 medizinisch indizierten diagnostischen oder therapeutischen Maßnahmen wurden von den Hausärzten (General practitioners, GP) nur 11.911 tatsächlich ergriffen.

Mit anderen Worten: Englische Patienten erhalten nur sechs von zehn notwendigen Maßnahmen. Die Versorgungsqualität schwankte sehr stark zwischen den einzelnen Erkrankungen. Am besten war sie laut Steel bei ischämischen Herzerkrankungen mit 83 Prozent, während Patienten mit Osteoarthritis nur zu 29 Prozent eine den Qualitätskriterien entsprechende Therapie erhielten.

Insgesamt war die Versorgungsqualität bei geriatrischen Erkrankungen wie Sturzfolgen, Osteoarthritis, Harninkontinenz, Sehstörungen (Katarakt), Hörstörungen und Osteoporose mit 57 Prozent schlechter als bei allgemeinen internistischen Störungen (ischämische Herzerkrankung, Hypertonie, Schmerzbehandlung, Diabetes mellitus, Rauchen, Schlaganfall, Depression), bei denen 74 Prozent aller indizierten Maßnahmen erfolgt waren. Vorbildlich waren die GPs bei der Früherkennung von Krankheiten: 80 Prozent der Screeningtests wurden durchgeführt, während Behandlung und Nachsorge nur zu 64 Prozent und die Diagnostik nur zu 60 Prozent den Ansprüchen genügte.

Bemerkenswert ist auch die bessere Versorgungsqualität bei Erkrankungen, die unter das Quality and Outcomes Framework (QOF) fallen. Das QOF wurde im April 2004 als leistungsorientierte Vergütung eingeführt. Ärzte können hier ihr Honorar durch Einhaltung der Leitlinien deutlich steigern. Bei den unter die QOF fallenden Erkrankungen erfüllten die GPs zu 75 Prozent die Qualitätskriterien, bei den Erkrankungen ohne Bonus-Möglichkeit waren es 58 Prozent.

Ob das QOF ein effektives Instrument zur Verbesserung der Versorgungsqualität ist, lässt sich aus einer Beobachtungsstudie (ohne Vergleichsgruppe) zwar nicht ableiten. Unbestreitbar erscheint Steel aber, dass die Versorgung gerade bei geriatrischen Erkrankungen verbessert werden muss. Dem Editorialisten Bruce Guthrie von der Universität Dundee schwebt dabei ein Verfahren vor, das regionale Versorgungsdefizite erkennt, denen dann gezielt gegengesteuert werden könne (BMJ 2008;337:a639). © rme/aerzteblatt.de

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