Politik

Gemischte Reaktionen auf „Arbeitslose im Pflegedienst“

Dienstag, 19. August 2008

dpa

Berlin/Hamburg/Münster – Als „einen Schritt in die richtige Richtung, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind“ hat das Kuratorium Deutsche Altershilfe – Wilhelmine Lübke Stiftung e. V. (KDA) den Vorschlag der Bundesagentur für Arbeit bezeichnet, Langzeitarbeitslose bei der Pflege von Demenzkranken einzusetzen. „Ich bin dagegen, diesen Vorschlag von vorneherein zu verdammen, solange noch nicht geklärt ist, wie das Vorhaben konkret ausgestaltet sein wird“, sagt dazu KDA-Geschäftsführer Peter Michell-Auli. 

Dem KDA liege bisher lediglich ein Vorentwurf der Richtlinie für die Qualifikation und die Aufgaben zusätzlicher Betreuungskräfte vor. Eine solche Richtlinie muss der Spitzenverband Bund bis spätestens 31. August 2008 vorlegen. „Wir kennen nur diese vorläufige Version, die aus Sicht des KDA aber in die richtige Richtung geht. Denn wir brauchen mehr Personal bei der Betreuung von Menschen mit Demenz“, sagte Michell-Auli.

Auch die Diakonie unterstützt grundsätzlich die Initiative. „Ein zusätzliches Betreuungsangebot insbesondere für Menschen mit erheblich eingeschränkten Alltagskompetenzen kann dazu beitragen, die Lebensqualität zum Beispiel von Altenheimbewohnern mit Demenzerkrankungen zu verbessern“, sagte Diakonie-Präsident Klaus-Dieter Kottnik.

„Aber die Betreuungsassistenten lösen nicht den weiteren Bedarf an Fachkräften in der stationären Altenhilfe“, betonte der Diakonie-Chef. In den vergangenen Jahren habe dort ein erheblicher Personalabbau stattgefunden. „Diese zusätzlichen Kräfte können und dürfen nicht den Einsatz von qualifiziertem Personal ersetzen.“

Grundsätzliche Zustimmung signalisierte auch der Sozialverband Deutschland VdK. „Wenn sich beispielsweise interessierte Langzeitarbeitlose ohne Zwang der Bundesagentur für diese herausfordernde Tätigkeit bewerben, könnten beide Seiten menschlich profitieren“, sagte der Präsident des VdK, Walter Hirrlinger. Wichtig sei, die zusätzlichen Kräfte entsprechend zu qualifizieren und auf Schwierigkeiten vorzubereiten. 

Die Freiwilligkeit der Tätigkeit betonte auch die Ärztekammer Westfalen-Lippe. Wer sich in der Pflege engagiert, muss dies unbedingt auf freiwilliger Basis tun. Für diese Arbeit braucht es Fingerspitzengefühl – und das lässt sich nicht von der Agentur für Arbeit verordnen“, sagte der Kammerpräsident Theodor Windhorst. Der Einsatz von Pflegeassistenten müsse das Betreuungsangebot für Demenzkranke erweitern. Keinesfalls jedoch dürften die Assistenten als kostengünstiger Ersatz für voll ausgebildete Pflegekräfte missbraucht werden.   

Starke Bedenken an dem Vorschlag äußerte Klaus Schäfer, Vizepräsident der Ärztekammer Hamburg. „Ich halte das für einen Schlag ins Gesicht für alle diejenigen, die den Pflegeberuf aus Überzeugung und mit viel Engagement und vor allem menschlicher Kompetenz und Zuwendung ausüben“, sagte er. Sich um Demenzkranke zu kümmern, sei eine anspruchsvolle und herausfordernde Aufgabe. „Wir brauchen mehr Geld für eine bessere Pflege. Das ist eine gesundheits- und keine arbeitsmarktpolitische Diskussion“, so Schäfer. © hil/aerzteblatt.de

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