9.405 News Medizin

Medizin

Arsen im Trinkwasser als Diabetesrisiko

Mittwoch, 20. August 2008

Baltimore – Anorganisches Arsen, das in vielen Ländern im Trinkwasser enthalten ist, könnte ein Risikofaktor für den Typ-II-Diabetes mellitus sein. Zu diesem Schluss gelangen Public Health-Forscher im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2008; 300: 814-822). Ihre Studie ergab eine signifikante Assoziation zwischen der Arsenkonzentration im Urin und der Diabetes-Prävalenz.

Arsen ist in vielen Gesteinsarten enthalten, aus denen es ins Grundwasser ausgewaschen wird. Man schätzt, dass weltweit etwa 100 Millionen Menschen täglich Arsen mit dem Trinkwasser in Mengen aufnehmen, die Experten als gesundheitlich bedenklich einstufen. Bislang standen die karzinogenen Eigenschaften des Halbmetalls im Vordergrund.

Eine Reihe von epidemiologischen Studien aus Taiwan, Bangladesch und Mexiko, wo die Exposition teilweise zehnfach über dem Grenzwert von 10 µg/l im Trinkwasser liegt, hatte in den vergangenen Jahren darauf hingewiesen, dass Arsen möglicherweise auch diabetogen ist. Diese bislang übersehene Auswirkung einer Arsenbelastung lässt sich nach Angaben von Ana Navas-Acien und Mitarbeitern von der Bloomberg School of Public Health, Baltimore, auch in tierexperimentellen Studien demonstrieren, in denen Arsen in Leber und Pankreas den Glukosestoffwechsel stört.

Gefährdet sind möglicherweise auch Menschen aus weniger belasteten Regionen, wie die neuen Ergebnisse einer Querschnittsstudie an 788 Amerikanern zeigen, bei denen im Rahmen des National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES) die Arsenkonzentration im Urin bestimmt wurde.

Tatsächlich können die Forscher zeigen, dass US-Amerikaner mit einer Arsenkonzentrationen von mehr als 65 µg/l im Urin (oberstes Fünftel der gemessenen Werte) 3,6-fach häufiger als Typ-2-Diabetes mellitus leiden, als US-Amerikaner mit vergleichsweise niedriger Arsenbelastung (Urinkonzentrationen 3,0 µg/l, unterstes Fünftel der gemessenen Werte).

Eine Assoziation in einer Querschnittsstudie kann, wie Navas-Acien einräumt, die diabetogene Wirkung von Arsen nicht beweisen. Der nächste Schritt bestünde darin, die Ergebnisse in prospektiven Beobachtungsstudien zu überprüfen. Sollte sich die Vermutung bestätigen, dann könnten erhöhte Arsenkonzentrationen durchaus eine wichtige Ursache des Typ-II-Diabetes mellitus sein, zusätzlich zu den bekannten Risikofaktoren wie Übergewicht und Bewegungsmangel. Während in den USA 13 Millionen Menschen mit Arsen belastet sind, liegt die Exposition mit anorganischen Arsen in Deutschland nicht über den derzeitigen Grenzwerten. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige
Drucken Versenden Teilen
9.405 News Medizin

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Themen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Login

E-Mail

Passwort


Passwort vergessen?

Registrieren

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Merkliste

Anzeige
Eingeloggt als

Suchen in