Xi’an/Paris-Créteil – Chirurgen aus China und Frankreich berichten im Lancet (2008; 372: 631-645) über zwei weitere Gesichtstransplantationen, die das Ausmaß der ersten derartigen Operation übertreffen. Die erste Transplantation von Gesichtspartien war im November 2005 bei einer jungen Französin durchgeführt worden, die bei einer Attacke eines Hundes Teile von Mund und Nase verloren hatte.
Ein Jahr später konnte sich die Patientin wieder ungeschminkt und lächelnd der Öffentlichkeit zeigen. Vorher hatte sie jedoch zwei schwere akute Abstoßungsreaktionen zu überstehen, die durch eine Verstärkung der medikamentösen Immunsuppression überwunden werden konnten. Auch die beiden Patienten, über die chinesische und französische Chirurgen jetzt berichten, erlitten mehrere Abstoßungskrisen.
| Chinesische Ärzte haben einem 30-jährigen Patienten nach einer Bärenattacke ein neues Gesicht gegeben /dpa |
Der 30-jährige Chinese, der von einem Bären angefallen worden war, hatte nicht nur Weichteile und Knorpelstrukturen der rechten Gesichtshälfte verloren. Neben Oberlippe und der gesamten Nase mussten auch die vordere knöcherne Wand der Kieferhöhle und die seitliche und untere Begrenzung der Augenhöhle und Teile des Jochbeins ersetzt werden. Die Ausdehnung des Transplantates war wesentlich größer als bei der französischen Patientin. Sie umfasste erstmals auch knöcherne Strukturen und eine Speicheldrüse (Parotis).
Da die Mediziner ahnten, dass die zusätzliche Transplantation von Knochengewebe das Abstoßungsrisiko erhöhen würde, entschied sich das Team um Shuzhong Guo von der Vierten Medizinischen Militärhochschule in Xi'an, der Hauptstadt der Provinz Shaanxi, für eine vierfache Immunsuppression mit Tacrolimus, Mycophenolat, Steroiden und monoklonalen Antikörpern gegen den Interleukin-2-Rezeptor.
Dennoch kam es gleich dreimal – drei, fünf und 17 Monate nach der Transplantation im April 2006 – zu akuten Abstoßungskrisen. Sie konnten durch Steroide und eine Erhöhung der Tacrolimusdosis überwunden werden, ohne dass es zu schweren Nebenwirkungen kam. Leber und Nieren des Patienten funktionieren weiter normal, und es kam auch zu keiner Infektion, versichern die Mediziner.
Der andere Patient, ein 29-jähriger Franzose aus der Karibik, wurde zu Beginn des Jahres 2007 transplantiert. Er litt an einer Neurofibromatose Typ 1. Tumoren hatten die mittleren und unteren Anteile des Gesichts völlig entstellt. Bis auf die beiden Augenlider und die Stirn mussten die gesamten Weichteile des Gesichts entfernt werden, was zu starken Blutungen führte. Der Patient benötigte 35 Transfusionen (Erythrozytenkonzentrate).
Wie Laurent Lantieri und Mitarbeiter von der Groupe Henri Mondor-Albert Chenevier in Créteil bei Paris berichten, war die Operation technisch erfolgreich. Doch 28 und 64 Tage postoperativ kam es zu zwei klinischen Abstoßungskrisen, wobei die zweite mit einer Zytomegalievirus-Infektion verknüpft war. Auch den französischen Medizinern gelang es, die Abstoßungsreaktionen durch Anpassung der Medikamente zu überwinden.
Bei beiden Patienten konnte das Transplantat erhalten werden. Der chinesische Patient kann wieder essen, trinken und normal sprechen, die Anbindung des Nervus facialis war jedoch nicht erfolgreich, sodass eine halbseitige Gesichtslähmung zurückblieb. Die Sensorik erholte sich innerhalb der ersten 8 Monate nach der Operation. Der französische Patient ist 13 Monate nach der Operation vollständig sozial eingegliedert und geht wieder einer Ganztagsarbeit nach. © rme/aerzteblatt.de
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