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Erfolgreiche Therapie der XDR-Tuberkulose in Sibirien

Montag, 25. August 2008

Tomsk/Boston – Die Behandlung der XDR-Tuberkulose ist auch in abgelegenen Regionen Russlands nicht aussichtslos. In Sibirien gelang es mit Unterstützung US-amerikanischer Spezialisten, die Erkrankung in mehr als der Hälfte der Fälle auszuheilen, wie die Forscher jetzt im Lancet (2008; doi: 10.1016/S0140-6736(08)61204-0) berichten.

Russland gehört zu den Ländern mit der höchsten Rate von resistenten Tuberkuloseerkrankungen. In der Region Tomsk in Sibirien wurden zuletzt bei 14 Prozent aller Patienten Erreger gefunden, die gegen die beiden Erstlinienmedikamente Isoniazid und Rifampin resistent waren, womit die Kriterien der multiresistenten Tuberkulose (MDR-Tb) erfüllt waren.

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Unter den vorbehandelten Patienten betrug der Anteil sogar fast 50 Prozent, wie die Gruppe um Salmaan Keshavjee von der Harvard Medical School in Boston/Massachusetts mitteilt. Die russischen Ärzte behandelten die Patienten zwar nach den Kriterien der „directly observed therapy“ (DOT), welche die Einnahme der Medikamente unter Aufsicht vorsieht. Doch diese Strategie bleibt erfolglos, wenn keine Resistenztests durchgeführt wurden.

Dies wurde erst durch eine Zusammenarbeit mit den US-Medizinern möglich. Das führte zunächst zu dem erschreckenden Befund, dass von 608 Patienten mit MDR-Tb 29 Patienten (4,9 Prozent) die Kriterien einer XDR-Tuberkulose erfüllten: Bei ihnen versagten nicht nur die Erstlinienmedikamente Isoniazid und Rifampin, sondern gleichzeitig auch mehrere Zweitlinienmedikamente.

Bei diesen Patienten sind die Behandlungsoptionen stark eingeschränkt. Dennoch gelang es dem russisch-amerikanischen Team 13 der 29 Patienten (45 Prozent) von der Tuberkulose zu kurieren. Die Mediziner versuchten von Anfang an ein Therapieregime mit fünf wirksamen Medikamenten zu finden.

Außerdem erhielten die Patienten ein Chinolon-Antibiotikum, selbst wenn gegen dieses eine Resistenz bestand. Dieses Regime wurde auch bei allen Patienten mit MDR-Tuberkulose angewendet. In dieser Gruppe wurden 67 Prozent der Patienten von der Tuberkulose kuriert, bei der XDR-Tuberkulose waren es fast die Hälfte.

Die Resistenztests wurden anfänglich am Massachusetts State Laboratory Institute in Boston, einem weltweit führenden Tuberkuloseforschungszentrum durchgeführt. Später übernahmen russische Labors diese für den Erfolg der Therapie unabdingbare Aufgabe. Die Tuberkulose konnte auch unter erschwerten sozialen Bedingungen (einige Patienten waren inhaftiert) durchgeführt werden. Erleichtert wurde sie durch die Tatsache, dass der Anteil der HIV-Positiven sehr gering war.

Kürzlich hatten chilenische Mediziner im New England Journal of Medicine (NEJM 2008; 359: 563-574) über ähnlich gute Erfolgsraten berichtet. Der verbreitete Eindruck, dass die XDR-Tuberkulose in jedem Fall tödlich endet, kann deshalb nicht aufrechterhalten werden, zumal die Ergebnisse in Chile und Russland nicht schlechter waren als in einem US-Zentrum (NEJM 2008; 359: 657-659). © rme/aerzteblatt.de

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