Medizin

Blei, Quecksilber und Arsen in Ayurveda-Produkten

Mittwoch, 27. August 2008

Boston – Ayurveda-Produkte, die über das Internet vertrieben werden, enthalten häufig bedenkliche Mengen von Quecksilber, Blei und Arsen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse von US-Medizinern im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2008; 300: 915-923).

In den vergangenen Jahren hat es immer wieder Berichte über Schwermetall-Vergiftungen nach der Anwendung von Medikamenten der traditionellen indischen Medizin gegeben. Laut Robert Saper vom Boston Medical Center sind seit 1978 mehr als 80 Fälle von Bleivergiftungen bekannt geworden.

Dass Ayurveda-Produkte mit Schwermetallen belastet sind, ist dabei kein Zufall. Denn eine der beiden Gruppen von Ayurveda-Medikamenten, “rasa shastra” genannt, wird unter Verwendung verschiedener Metalle (vor allem Quecksilber) hergestellt. Der Verband europäischer Ayurveda-Mediziner und Therapeuten sieht diese Therapie sogar in der Tradition der mittelalterlichen Alchemie, bei der Quecksilber im Zentrum des therapeutischen Interesses stand.

Der Verband betont jedoch, dass heute bei der Herstellung der Präparate, die eine wiederholte Veraschung unter Verwendung von Hitze (Kalzinierung) vorsieht, die Konzentration der Metalle auf unbedenkliche Werte sinkt. Dies scheint in der Praxis allerdings nicht immer zu gelingen, wie eine neue Analyse von Saper zeigt.

Sein Team hat zwischen August und Oktober 2005 über das Internet 193 Präparate erworben, die teilweise aus indischer, teilweise aus US-amerikanischer Produktion stammen. Da sie als Nahrungsergänzungsmittel angeboten werden, unterliegen sie nicht den strengen Auflagen der Arzneimittelbehörden.

Obwohl drei Viertel der Hersteller angaben, ihre Produkte nach strengen Produktionsregeln (Good Manufacturing Practices) herzustellen, fand Saper bei 40,5 Prozent der “rasa shastra”-Präparate Schwermetalle. Auffallend hoch waren die Quecksilberkonzentrationen (vor allem in den aus Indien importierten Präparaten). Saper und Mitarbeiter fanden im Durchschnitt 20.800 µg/g Quecksilber (US-Präparate 25,5 µg/g).

Das American National Standard Institute (ANSI) fordert eine Obergrenze der täglichen Aufnahme von 20 µg/die. Diese Grenze würde bei der Einnahme von einem Gramm eines durchschnittlich belasteten “rasa shastra”-Präparats um den Faktor 1.000 überschritten. Saper rät deshalb dringend von der Einnahme von “rasa shastra”-Präparaten ab. Neben Quecksilber fanden die Wissenschaftler erhöhte Konzentrationen von Blei (11,5 µ/g; ANSI-Grenzwert: 20 µg/die) und Arsen (27,5 µg/g; ANSI-Grenzwert 10µg/die). 

Interessanterweise waren auch die rein pflanzlichen Ayurveda-Präparate zu 17,1 Prozent mit Schwermetallen belastet. Die Quecksilber-Konzentrationen lagen mit 34µg/g deutlich zwar niedriger als bei den “rasa shastra”-Präparaten, die ANSI-Obergrenze kann jedoch dennoch schnell überschritten werden. Auch die Arsen- und Bleikonzentrationen waren in den pflanzlichen Präparaten erhöht. © rme/aerzteblatt.de 

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