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Gichtmedikament senkt Blutdruck bei Jugendlichen

Mittwoch, 27. August 2008

Houston – Die Behandlung mit dem Gichtmedikament Allopurinol kann bei vielen Jugendlichen mit neu diagnostizierter Hypertonie den Blutdruck normalisieren. Dies zeigt eine kleinere randomisierte Studie im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2008; 300: 924-932), die auf einen möglicherweise übersehenen Risikofaktor hinweist. 

Dass viele Hypertoniker erhöhte Harnsäurekonzentrationen im Serum haben, ist seit langem bekannt. Die Hyperurikämie wurde jedoch nicht als Risikofaktor für die Hypertonie betrachtet, da es andere plausible Erklärungen gab, etwa die bei Hypertonikern häufig reduzierte Nierenfunktion, die Einnahme von Diuretika oder auch Ernährungsfehler, die als zivilisatorische Ursache der Hypertonie angenommen werden.

Bei vielen Menschen geht die Hyperurikämie der arteriellen Hypertonie jedoch zeitlich voraus, berichtet Daniel Feig vom Baylor College of Medicine in Houston. Besonders auffällig ist eine Assoziation bei jugendlichen Hypertonikern, von denen 90 Prozent erhöhte Harnsäurewerte haben. In einer kleinen randomisierten Cross-Over-Studie untersuchte Feig deshalb, ob eine Therapie mit dem Harnsäuresenker Allopurinol einen Einfluss auf den Blutdruck hat. 

Die 30 Teilnehmer mit leicht erhöhten Blutdruckwerten (137-141/80-85m mm Hg) wurden über vier Wochen zweimal täglich mit Placebo oder Allopurinol (200 mg zweimal täglich) behandelt. Nach einer Auswaschphase von zwei Wochen wechselten die Teilnehmer dann auf das jeweils andere Mittel.

Die Auswirkungen von Allopurinol auf den Blutdruck waren deutlich. In der 24-Stundenmessung sank der systolische Blutdruck unter Allopurinol um 6,3 mm Hg (Placebo plus 0,8 mm Hg) und der diastolische Blutdruck ging um 4,6 mm Hg (Placebo minus 0,3 mm Hg) zurück. 20 der 30 Teilnehmer erreichten unter Allopurinol normale Blutdruckwerte, gegenüber nur einem unter Placebo.

Laut Feig lässt sich eine Blutdruck steigernde Wirkung von Harnsäure im Tiermodell reproduzieren. Außer den Primaten haben bekanntlich alle Tiere das Enzym Urikase, das Harnsäure zu Allantoin abbaut. Wird dieses Enzym bei Ratten gehemmt, steigt der Blutdruck.

Sollte die Hyperurikämie tatsächlich ein Auslöser der Hypertonie sein, würde dies neue therapeutische Perspektiven eröffnen. Allopurinol dürfte allerdings, vor allem bei jugendlichen Hypertonikern, kaum dazu gehören. Das Medikament ist wesentlich schlechter verträglich als die meisten Antihypertonika.

Zu den Nebenwirkungen gehören Nausea und Vomitus, Diarrhöe und Leberprobleme. In seltenen Fällen kann es auch zum Steven-Johnson Syndrom, einer lebensgefährlichen Überempfindlichkeitsreaktion auf das Medikament kommen. Bei den Jugendlichen könnte es jedoch andere Möglichkeiten geben, um beides – Harnsäurespiegel und Blutdruck – zu senken. Das Durchschnittsgewicht der Studienteilnehmer von 97 kg (BMI 28-36) deutet an, worin dies Maßnahmen bestehen könnten. © rme/aerzteblatt.de

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