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Sport trainiert das Gedächtnis

Mittwoch, 3. September 2008

Melbourne – Was Alzheimer-Medikamente bisher nicht vermögen, wurde in einer randomisierten Studie im Amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2008; 300: 1027-1037) durch einen täglichen Spaziergang oder ähnliche sportliche Betätigungen erreicht: Zwanzig Minuten Bewegung am Tag besserte die Gedächtnisleistungen von Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung (MCI).

Die 311 Teilnehmer der Fitness for the Ageing Brain Study rekrutierten Nicola Lautenschlager von der Universität Melbourne und Mitarbeiter per Telefon. Mithilfe des Telephone Interview for Cognitive Status fanden sie Menschen, die bereits unter leichten Gedächtnisstörungen litten, bei denen Psychiater aber (noch) keine Demenz diagnostizieren würden. In der Alzheimer Disease Assessment Scale–Cognitive Subscale (ADAS-Cog), die von 0 (gesund) bis 70 (schwere Demenz) reicht, hatten sie zu Beginn der Studie einen Wert von 7 Punkten erreicht. Dennoch hatten die über 50-jährigen Teilnehmer ihre Gedächtnisstörungen bemerkt.

In der Studie wurden sie auf zwei Gruppen randomisiert. In einer Gruppe wurden ihnen drei wöchentliche Trainingseinheiten zu jeweils 50 Minuten verordnet. Die meisten entschieden sich für forcierte Spaziergänge, aber auch tanzen oder schwimmen war möglich. Am Ende hatten die Teilnehmer der Gruppe im Durchschnitt 142 Minuten pro Woche Sport getrieben – umgerechnet also kaum mehr als 20 Minuten am Tag. In der Vergleichsgruppe wurde kein Sport vereinbart.

Das Übungsprogramm lief über ein halbes Jahr und am Ende hatte sich der ADAS-Cog um 0,26 Punkte verbessert, während es in der Vergleichsgruppe zu einem Abfall um 1,04 Punkte gekommen war. Der Unterschied betrug mithin 1,3 Punkte. In den folgenden Monaten näherten sich beide Gruppen langsam wieder an, doch selbst ein Jahr nach dem Ende der Trainingsphase war noch ein Unterschied von 0,69 Punkten vorhanden. Auch in einzelnen Gedächtnistests und in den Clinical Dementia Rating Scores wurden Unterschiede gefunden. Damit steht nach Ansicht von Lautenschlager erstmals eine Behandlung der Alzheimervorstufe MCI zur Verfügung, denn für die Antidementiva, die bei leichter Alzheimer-Demenz eingesetzt werden, konnte ein eindeutiger Wirkungsnachweis bei der Vorstufe MCI bisher nicht erbracht werden.

Sport bessert nach Ansicht der Forscher die kardiovaskuläre Fitness und damit die Hirndurchblutung, wovon nicht nur Menschen im Übergangsstadium MCI profitieren könnten. © rme/aerzteblatt.de

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