Politik

Studie: Jede zweite Schwangere trinkt Alkohol

Montag, 8. September 2008

dpa

Berlin –  Mehr als jede zweite Frau in Deutschland trinkt während der Schwangerschaft Alkohol. Einer Studie der Berliner Charité zufolge konsumieren 58 Prozent aller Schwangeren gelegentlich Bier und Schnaps. Bereits geringe Mengen Alkohol könnten den Fötus schädigen, warnte die Bundesdrogenbeauftragte Sabine Bätzing am Montag in Berlin. „Es gibt keinen sicheren Grenzwert für ungefährlichen Alkoholkonsum während der Schwangerschaft“, sagte sie anlässlich des „Tages des alkoholgeschädigten Kindes“ am Dienstag.

Bätzing betonte: „Ein vollständiger Alkoholverzicht in der Schwangerschaft ist unabdingbar.“ Denn ein Fötus könne Alkohol nur sehr schwer abbauen. Die Drogenbeauftragte kritisierte, dass bei vielen Ärzten, Hebammen und nicht zuletzt werdenden Müttern das Bewusstsein über die Gefahren des Alkoholtrinkens in der Schwangerschaft „noch nicht ausreichend ausgeprägt“ sei. „Die Gefahren werden häufig verharmlost oder gar nicht wahrgenommen“, sagte sie. Daher müssten sowohl die Schwangerschaftsvorsorge als auch die Schulung von Ärzten verbessert werden.

Laut Bätzing werden jedes Jahr rund 10.000 Kinder mit Alkoholschäden geboren. 4.000 davon wiesen schwere körperliche und geistige Behinderungen auf. Dieses „Fetale Alkoholsyndrom“ (FES) sei die häufigste Behinderung bei Neugeborenen. Es trete doppelt so häufig auf wie das Down-Syndrom, so die Drogenbeauftragte. Vier von fünf Kindern mit FES müssten ihre Leben lang betreut werden und könnten kein eigenständiges Leben führen.

Symptome des Alkoholsyndroms reichen von leichten körperlichen und psychischen Schäden über spätere Verhaltensauffälligkeiten bis hin zu schweren Behinderungen. © ddp/aerzteblatt.de

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Rosebrock
am Mittwoch, 19. Dezember 2012, 00:49

Alkohol in der Gesellschaft

Ich bin der Auffassung, Alkoholkonsum ist in unserer Gesellschaft allgemein viel zu selbstverständlich. Man sollte abstinent lebenden Menschen - aus unterschiedlichsten Gründen, sei es Religion, Lebensgeschichte, Erkrankungen, Schwangerschaft, ethische Gründe, Gesundheitsgründe - mal ebenso viel Aufmerksamkeit zukommen lassen wie den Homosexuellen. Der Anteil an Alkohol-Abstinenzlern in der Bevölkerung ist sicherlich höher - und es wäre nicht verkehrt, wenn er noch anstiege aufgrund der gesundheitlichen Gefahren durch Alkohol, die auch der Artikel thematisiert.
Auch für unsere Kinder und Jugendlichen - neben den noch im Mutterleib heranwachsenden - aber auch für die Verkehrssicherheit, für die Qualität von Arbeit und Zusammenleben, für das Wohl von Familien und die Sicherheit von Frauen vor Gewalt und Vergewaltigungen wäre es gut, dieses Thema stärker in den Blick der Öffentlichkeit zu bringen.
A. Rosebrock, Apothekerin, Aktionsbündnis "Gerne leben mit Kindern"
mudd1
am Dienstag, 18. Dezember 2012, 16:00

„vollständiger Alkoholverzicht“

Etwas mehr Ernaehrungshinweise waeren nett gewesen. Schliesslich ist Alkohol (sowohl Ethanol als auch das deutlich gefaehrlichere Methanol) auch in Fruchtsaft, Obst, Gemuese, Brot und Kuchen, zum Teil deutlich mehr als in dem auch verpoenten vermeintlich alkoholfreien Bier. Also nur noch Fleisch, Kaese und Eier waehrend der Schwangerschaft?
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