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Aortenstenose: Minimalinvasive Bypass-Operation bei inoperablen Patienten

Freitag, 19. September 2008

Baltimore – US-Herzchirurgen haben eine neuartige Bypass-Operation für Patienten mit erworbener Aortenstenose entwickelt. Der minimalinvasive Eingriff kommt nach einer Publikation in Circulation (2008, doi: 10.1161/CIRCULATIONAHA.108.790030) für Hochrisiko-Patienten infrage, bei denen ein konventioneller Klappenersatz zu riskant wäre.

Etwa 60 Prozent aller Patienten mit symptomatischer Aortenstenose gelten heute als inoperabel, erläutert James Gammie, Herzchirurg an der University of Maryland School of Medicine in Baltimore. Der Grund liegt in chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen, fortgeschrittenem Nierenversagen, schwerem Diabetes oder früheren Herzinfarkten. Sie machen einen Eingriff am offenen Herzen, der den längeren Einsatz der Herzlungenmaschine erfordert, zu riskant. Ohne Operation sterben aber vier von fünf Patienten innerhalb von drei Jahren.

Auf der Suche nach einem Ausweg aus diesem Dilemma erinnerten sich Gammie und Mitarbeiter an eine Operation, die ursprünglich für angeborene Herzvitien entwickelt wurde. Bei diesem Eingriff wird ein Bypass, also eine Umleitung um die stenosierte Aortenklappe geschaffen. Das Blut wird durch einen Tubus geleitet, dessen eines Ende im Bereich der Herzspitze mit dem linken Ventrikel verbunden ist. Das andere Ende wird mit dem deszendieren Abschnitt der thorakalen Aorta anastomisiert. Die Bioprothese enthält ein Ventil, das die Funktion der Aortenklappe ersetzt. 

Der Bypass kann ohne Eröffnung des knöchernen Thorax über einen etwa drei Zoll langen intrakostalen Zugang implantiert werden. Bislang wurden 31 Hochrisiko-Patienten im Alter von durchschnittlich 81 Jahren operiert, darunter 22 Patienten nach aortokoronarem Bypass und fünf Patienten mit ausgeprägten Verkalkungen der Hauptschlagader (Porzellanaorta). Unter den ersten 15 Patienten gab es noch vier Todesfälle. Seither haben jedoch alle Patienten den Eingriff überlebt. 

Echokardiografische Untersuchungen zeigen laut Gammie, dass etwa 70 Prozent des Schlagvolumens durch den Bypass geleitet werden. Die restlichen 30 Prozent fließen durch die native (stenosierte) Klappe und dienen vor allem der Versorgung des Gehirns. 

Das Blut aus dem Bypass gelangt ausschließlich in die thorakale Aorta. Gammie hofft deshalb, dass die Operation nicht mit einem erhöhten Schlaganfallrisiko einhergeht, zumal die Patienten keine Antikoagulanzien einnehmen müssen. Ein Patient erlitt jedoch während der Operation einen Schlaganfall. Ursache war ein intraoperativer Blutdruckabfall.

Ob die Operation, wie Gammie versichert, einem Klappenersatz gleichwertig ist, bleibt abzuwarten. Die Patiententes-Testimonials auf der Webseite sind sicherlich kein Ersatz für eine wissenschaftliche Nachbeobachtung. © rme/aerzteblatt.de

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