Medizin

Studie: Chondroitinsulfat oder Glukosamin können Gonarthrose nicht stoppen

Mittwoch, 1. Oktober 2008

Salt Lake City – Eine orale Therapie mit Chondroitinsulfat oder Glukosamin kann das Fortschreiten einer Osteoarthrose nicht aufhalten. Dies zeigen die Langzeitergebnisse einer randomisierten kontrollierten Studie in Arthritis & Rheumatism (2008; 58 : 3183-3191), auch wenn eine minimale Wirkung nicht völlig ausgeschlossen erscheint.

Die vor anderthalb Jahren publizierten Ergebnisse des Glucosamine/chondroitin Arthritis Intervention Trial (GAIT) mussten alle Anhänger der chondroprotektiven Therapie enttäuschen, die gehofft hatten, die Einnahme von Chondroitinsulfat oder Glukosamin könne die Schmerzen bei einer Gelenksarthrose senken, weil diese beiden Substanzen Bestandteil des Gelenkknorpels sind.

Diese verbreitet Therapie war von Experten immer skeptisch beurteilt worden. Sie hatten auf die Irreversibilität von Schäden in dem bradytrophen Knorpelgewebe hingewiesen, der nicht von Blutgefäßen durchzogen wird. Die Chancen, dass die beiden Substanzen, zumal nach oraler Zufuhr, in ihr Zielgebiet gelangen, wurden als gering eingeschätzt. 

Frühere Studien waren nicht zu eindeutigen Ergebnissen gelangt und in Meta-Analysen wurden niemals signifikante Wirkungen registriert. Auch die Ergebnisse von GAIT waren negativ - mit der Ausnahme einer Untergruppe von Patienten mit mittelschwerer oder schwerer Gonarthrose. Diese Patienten schienen nach 24 Wochen tatsächlich signifikant besser als unter Placebo auf die Behandlung anzusprechen, wenn sie eine Kombination beider Wirkstoffe einnahmen. 

572 Teilnehmer aus diesen beiden Gruppen wurden deshalb zu einer 18-monatigen Anschlussstudie eingeladen. Es  handelte sich um Patienten mit radiologischen Veränderungen vom Grad zwei oder drei nach dem Kellgren/Lawrence-Score. Beim Score von zwei sind im Röntgenbild Osteophyten erkennbar, beim Grad drei liegt zusätzlich eine Gelenkspaltverschmälerung vor, die nach den Kriterien der Studie mindestens zwei Millimeter betragen musste. 

Die Patienten führten die ursprüngliche Therapie über 18 weitere Monate fort. Die Therapie bestand in der Einnahme von 500 mg Glucosamin dreimal täglich oder 400 mg Chondroitinsulfat dreimal täglich oder einer Kombination beider Mittel. Eine weitere Gruppe wurde mit 200 mg/die Celecoxib behandelt – das hatte in der ersten Studie die Schmerzen am besten gelindert. Schließlich gab es noch einen Placebo-Arm. Endpunkt der Studie war die Verschmälerung des Gelenkspalts.

Wie Allen Sawitzke von der Universität von Utah in Salt Lake City und Mitarbeiter jetzt mitteilen, gab es zwischen den fünf Gruppen keine signifikanten Unterschiede. Für Celecoxib (minus 0,111 mm) war dies erwartet worden, denn das nicht steroidale Antiphlogistikum hemmt nur die Entzündung, nicht aber die Zerstörung des Gelenkknorpels.

Doch auch unter Glucosamin (minus 0,013 mm), Chondroitinsulfat (minus 0,107 mm) schritt die Gonarthrose fort. Unter der Kombination beider Medikamente war der Verlust mit minus 0,194 mm sogar größer als unter Placebo (minus 0,166 mm). Die Unterschiede waren jedoch nicht signifikant.

Dennoch halten die Autoren die Therapie nicht für endgültig widerlegt. Sie verweisen darauf, dass die Gelenkspaltverschmälerung unter Placebo wesentlich geringer ausgefallen sei als die erwarteten 0,4 mm. Nur deshalb sei der Unterschied zu Gucosamin oder Chondroitinsulfat nicht signifikant ausgefallen.

Folgt man dieser Argumentation, müsste man auch dem Coxib Celecoxib eine gelenkprotektive Wirkung zuschreiben, die nicht zu erwarten ist. Dieses Medikament hätte dann zudem den Vorteil, dass es die Schmerzen lindert. Es darf deshalb bezweifelt werden, dass sich die Leitlinien-Autoren den Schlussfolgerungen von Sawitzke und Mitarbeitern anschließen werden. Die Therapie mit den Chondroprotektiva dürfte durch die Studie weiter an Glaubwürdigkeit einbüßen. © rme/aerzteblatt.de

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