Gen für Colitis ulcerosa entdeckt
Montag, 6. Oktober 2008
Kiel – Nach dem Morbus Crohn wurden jetzt erstmals auch für die Colitis ulcerosa prädisponierende Gene gefunden. Eine Studie in Nature Genetics (2008; doi: 10.1038/ng.221) weist auf eine mögliche Therapie mit dem Zytokin Interleukin 10 hin.
Morbus Crohn und Colitis ulcerosa gehören zu den entzündlichen Darmerkrankungen. Bei beiden Erkrankungen liegt eine familiäre Häufung vor, die beim Morbus Crohn in den letzten Monaten mithilfe von genomweiten Assoziationsstudien (teilweise) auf bestimmte SNPs (Single nucleotide polymorphism) zurückgeführt werden konnte.
SNPs markieren einzelne Varianten auf dem Genom, wobei die dort kodierten Gene nicht notwendigerweise bekannt sein müssen. Die Gruppe um Stefan Schreiber von der Universität Kiel hatte hier Glück. Ihre erste genomweite Assoziationsstudie zur Colitis ulcerosa identifizierte vier SNP, wobei die stärkste Assoziation mit rs3024505 bestand, das sich in unmittelbarer Nähe zum Gen für Interleukin 10 auf dem Chromosom 1q32.1 befindet.
Eine Assoziation mit einer Signalsubstanz der Entzündungsreaktion führt bei einer chronisch-entzündlichen Erkrankung wie der Colitis ulcerosa sogleich zu der Frage, ob eine Therapie mit dem (durch die Mutation im Körper möglicherweise außer Kraft gesetzten) Zytokin nicht ein viel versprechender neuer Therapieansatz wäre.
Neu ist der Ansatz in diesem Fall nicht. Es wurden bereits Versuche mit Interleukin-10 unternommen, die aber nach ersten Misserfolgen wieder aufgegeben wurden. Die aktuelle Studie dürfte das Interesse an dieser Therapie aber wieder erneuern. © rme/aerzteblatt.de
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