Medizin

Zirkumzision schützt homosexuelle Männer nicht vor HIV

Mittwoch, 8. Oktober 2008

Atlanta – Die Erfahrungen aus Afrika, wonach die Beschneidung des Mannes die Rate von HIV-Infektionen senkt, kann eine Meta-Analyse der US-Centers of Disease Control and Prevention (CDC) im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2008; 300: 1674-1684) nicht bestätigen. Die Zirkumzision ist bei homosexuellen Männern, kein Mittel, um das Übertragungsrisiko zu vermindern.

In den letzten Jahren waren mehrere in Afrika durchgeführte randomisierte Studien zu dem Ergebnis gekommen, dass eine Zirkumzision Männer beim heterosexuellen Geschlechtsverkehr vor einer HIV-Übertragung (und anderen sexuell übertragbaren Erkrankungen wie Syphilis oder Chlamydien-Infektionen) schützt. Seither wurde der Ruf nach einer entsprechenden Studie in den USA laut.

Diese sollte am besten bei homosexuellen Männern durchgeführt werden, da diese – vor allem infolge des Analverkehrs – ein besonders hohes Übertragungsrisiko haben. Die CDC forderte jedoch zunächst eine Meta-Analyse ein, deren Ergebnis jetzt die Durchführung der randomisierten klinischen Studie infrage stellt. Denn Gregorio Millett und andere CDC-Mitarbeiter kommen auf der Basis von 17 Studien (davon neun in den USA, die anderen in Asien) aus den Jahren 1989 bis 2007 zu einem anderen Ergebnis als die afrikanischen Studien. 

Das Risiko von beschnittenen homosexuellen Männern, sich mit HIV zu infizieren, war nicht signifikant vermindert: Odds Ratio 0,86 (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,65-1,13). Selbst für homosexuelle Männer, die beim insertiven Analsex überwiegend die aktive Rolle einnehmen, wurde bei einer Odds Ratio mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,23 bis 2,22 das Signifikanzniveau verfehlt. Zum Vergleich: In den afrikanischen Studien hatte die Zirkumzision das Infektionsrisiko von Männern (beim heterosexuellen Verkehr) signifikant um 50 bis 60 Prozent vermindert. 

Warum diese Ergebnisse nicht auf amerikanische (und damit wohl auch nicht auf hiesige) Verhältnisse übertragbar sind, ist unklar. Die Tatsache, dass die meisten Infizierten eine hoch-aktive antiretrovirale Therapie (HARRT) erhalten, könnte jedoch eine Rolle spielen.

Denn in einer Subgruppenanalyse mit Studien aus der Zeit vor Einführung der HAART war sehr wohl eine protektive Wirkung der Zirkumzision nachweisbar mit einer Odds Ratio von 0,47 (0,32-0,69), was dem Ausmaß der Protektion in Afrika entspricht. Die Studie dürfte ein unterschiedliches Echo auslösen.

Klar sein sollte jedoch, dass die Zirkumzision nur eine zusätzliche Maßnahme sein kann und kein Ersatz für die Benutzung von Kondomen.  © rme/aerzteblatt.de

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